Auf dem Absprung / Kommentar zur Fusion von Ado Properties, Adler Real Estate und Consus von Christoph Ruhkamp

Die Dreier-Fusion der Berliner Wohnungskonzerne Ado
Properties, Adler Real Estate und Consus hat mehrere Architekten. Als einer der
wichtigsten Entscheider hinter dem Deal gilt der israelische Geschäftsmann Amir
Dayan, geboren 1974. Er ist Teil einer weltweit operierenden Unternehmerfamilie,
vertritt das “Dayan Family Office” und hatte vorübergehend die Kontrolle bei Ado
Properties übernommen, deren Verwaltungsratsvorsitzender Moshe Dayan war.
Inzwischen hat Adler Real Estate von den Israelis die Kontrolle bei Ado
übernommen. Hinter Adler wiederum steht die Schweizer
Immobilienunternehmerfamilie Wecken.

Dayan gilt als Phantom, spielt jedoch am deutschen Immobilienmarkt eine nicht zu
übersehende bedeutende Rolle. Er stand auch zusammen mit dem ebenfalls
israelischen und in London lebenden Immobilien-Tycoon Yakir Gabay hinter der
erst vor kurzem eingefädelten Milliardenfusion der beiden deutschen
Bürovermieter Aroundtown und TLG zu Deutschlands größtem
Gewerbeimmobilienkonzern.

Die beiden Milliardäre und erfahrenen Immobilienunternehmer israelischer
Herkunft haben in wenigen Jahren in Deutschland – zusammen mit anderen
wohlhabenden Familien als Co-Investoren – zwei Immobilienimperien mit Bürotürmen
und Wohnungen aufgebaut, die jeweils aus einem ganzen Schwarm formal voneinander
unabhängig agierender GmbHs bestehen. Das macht es schwierig, präzise zu
benennen, wer gerade wo Eigentümer ist oder sich gerade schon wieder
zurückgezogen hat. Eine der Muttergesellschaften im Immobiliengeflecht, das auch
aus Gesellschaften in Luxemburg und Zypern besteht, ist die Berliner Intown
Gruppe. Manche der Gesellschaften sind via “Nonrecourse” finanziert – mit
begrenzter Haftbarkeit.

Jetzt ziehen offenbar beide israelischen Immobilienbarone sukzessive Cash aus
ihren Engagements in Deutschland ab. Das lässt für die weitere Entwicklung des
deutschen Immobilienmarktes eher Düsteres befürchten. Die Aktionen der
erfahrenen Immobilienunternehmer deuten für Marktbeobachter darauf hin, dass der
Höhepunkt der Entwicklung erreicht ist. Dayan und Gabay scheinen den Absprung zu
suchen, bevor es abwärts geht.

Die finanzielle Logik hinter der Dreier-Fusion von Ado, Adler und Consus ist
jedenfalls mit Synergien von in der Spitze 150 Mill. Euro nicht allzu
bestechend. Ado Properties wird bei dem “Reverse Takeover” zur wohlfeilen Beute
der hoch verschuldeten Adler Real Estate.

(Börsen-Zeitung, 17.12.2019)

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