Berliner Lehrer treten mit einem Start-Up gegen die IT-Giganten Apple&Co im Rennen um die Digitalisierung für Schulen an

Im Unterricht
 

Smartphones – Schlafende Riesen in der Bildungslandschaft

Smartphones sind auch im Schulalltag allgegenwärtig: 93% der Jugendlichen besitzen ein solches Gerät, 90% bringen es zur Schule mit.[2] Trotzdem werden Leistungsfähigkeit und Tauglichkeit der Geräte für den Unterricht weiterhin massiv unterschätzt. Wegen des anhaltenden Wettbewerbs mit Spielkonsolen verfügen Smartphones mittlerweile über sehr leistungsfähige Prozessoren. Zudem lassen sie sich über Bluetooth leicht mit einer vollwertigen Tastatur verbinden und über W-LAN an beliebige Displays anschließen. Auf ihrer Homepage zeigen die Berliner Lehrer*innen, wie man ein Smartphone für circa 60 in ein Netbook verwandelt, um es so nahezu unbeschränkt im Unterricht einzusetzen.[3] Aber auch ohne Tastatur und externes Display lassen sich Smartphones in der Praxis gewinnbringend als grafischer Taschenrechner, Wörterbuch, Formelsammlung, Recherche- oder Quizz-Tool nutzen.

Der Einsatz von Privatgeräten ist ökonomisch wie ökologisch sinnvoll und sozial gerecht

Dabei hat der Einsatz privater Mobilgeräte zahlreiche positive Aspekte. Zunächst ist er aus ökonomischer Sicht sinnvoll, denn laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung kostet die Anschaffung von Schulgeräten den Steuerzahler jährlich rund 800 Millionen Euro.[4] Aber auch aus ökologischen Gesichtspunkten lohnt sich der Rückgriff auf Privatgeräte. ?Wenn wir unser Ziel erreichen und in 30% aller Unterrichtsstunden Privatgeräte verwenden, sparen wir jährlich 30t Kupfer, 570kg Silber sowie 55kg seltene Erden? schätzt Oliver Laux, Gründer des Projekts. Wohin der aktuell praktizierte Umgang mit Elektronik führt, lässt sich am Beispiel von Kobalt verdeutlichen.[5] Das für die Herstellung der Akkus benötigte Erz wird im Kongo unter katastrophalen Bedingungen und dem Einsatz von über 40.000 Kinderarbeitern gefördert. Aber auch die Entsorgung der kurzlebigen Endgeräte gestaltet sich schwierig. So fallen jährlich 50 Millionen Tonnen Elektroschrott an, von denen sich nur circa 20% fachgerecht entsorgen lassen. [6,7,8]

Das eigene Smartphones im Unterricht ganz ohne Ablenkung nutzen – Bring Your Own Device

Der Ansatz, durch den Rückgriff auf Privatgeräte die Anschaffung zusätzlicher Hardware zu minimieren, ist somit äußerst vernünftig ? aber längst nicht neu. Besser bekannt unter ?BYOD?, der Abkürzung für den englischen Ausdruck ?Bring Your Own Device?, wird diese Idee bereits seit längerem ins Visier genommen. In der Praxis erwies sich jedoch die Gefahr der Ablenkung als größte Hürde. Bereits 2015 haben die britischen Forscher Beland und Murphy den negativen Einfluss einer ungeregelten Nutzung von Smartphones auf den Lernerfolg belegt. [9]
Zusammen mit IT-Spezialisten haben sich die Berliner Lehrer*innen in den vergangenen zwei Jahren diesem Problem gewidmet und die BYOD-Plattform ?Smart-Learn? entwickelt. Lehrer*innen können innerhalb der Plattform festlegen welche Webseiten oder Apps sie in ihrem Unterricht verwenden möchten. Während des Unterrichts läuft auf den Privatgeräten der Schüler*innen die kostenlose Smart-Learn App. Sie meldet dem System unter Berücksichtigung des Datenschutzes, ob das jeweilige Smartphone im Rahmen der festgelegten Regel benutzt wird. Dadurch behalten die Lehrer*innen den Überblick und können die Privatgeräte sogar in Prüfungssituationen einsetzen. Das System wird pünktlich zum neuen Schuljahr an den Start gehen und vielen Schulen eine schnelle und einfache Möglichkeit bieten, die Digitalisierung für ihren Unterricht voranzubringen.

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