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BERLINER MORGENPOST: A380 – ein trauriges Ende / Leitartikel von Oliver Schade zu Airbus

Kurzform: Dass es nun tatsächlich von 2021 an keine
neuen Maschinen mehr geben wird, ist ökonomisch nachvollziehbar, aber
aus emotionaler Sicht traurig. Denn der A380 ist für
Luftfahrtenthusiasten, Passagiere und Airbus-Beschäftigte weit mehr
als ein Flugzeug. Schließlich hat Europas Industrie mit dem A380
unter Beweis gestellt, dass der alte Kontinent durchaus in der Lage
ist, ein kompliziertes Hightech-Produkt auf den Markt zu bringen –
allen Widerständen zum Trotz. Doch bei allem Enthusiasmus für die
Ingenieurleistung darf man nicht unterschlagen, dass der A380
wirtschaftlich am Ende ein Flop war. Renditeziele wurden nicht
erreicht, die Bestellflut der Anfangszeit ist sehr viel schneller
abgeebbt als von den Managern in Hamburg und Toulouse erwartet. Um es
auf den Punkt zu bringen: Die Airbus-Spitze hat sich verkalkuliert.

Der vollständige Leitartikel: Nun ist das Aus für den A380 also
beschlossen. Überraschend kam die Ankündigung von Airbus-Chef Tom
Enders am Donnerstag nicht – zumindest für Menschen, die sich mit dem
Flugzeug und seiner Historie bereits länger befassen. Denn seit
Monaten gilt der als „König der Lüfte“ gestartete Riesen-Airbus als
Auslaufmodell. Dass es nun tatsächlich von 2021 an keine neuen
Maschinen mehr geben wird, ist ökonomisch nachvollziehbar, aber aus
emotionaler Sicht traurig. Denn der A380 ist für
Luftfahrtenthusiasten, Passagiere und Airbus-Beschäftigte weit mehr
als ein Flugzeug. Er transportiert für viele Menschen ein Gefühl.
Eine Mischung aus Stolz, Respekt und Zuneigung schwingt mit, wenn sie
über den A380 reden, ihn sehen oder in der großzügig gestalteten
Maschine gar Platz nehmen. Schließlich hat Europas Industrie mit dem
A380 unter Beweis gestellt, dass der alte Kontinent durchaus in der
Lage ist, ein kompliziertes Hightech-Produkt auf den Markt zu bringen
– allen Widerständen zum Trotz. Doch bei allem Enthusiasmus für die
Ingenieurleistung darf man nicht unterschlagen, dass der A380
wirtschaftlich am Ende ein Flop war. Renditeziele wurden nicht
erreicht, die Bestellflut der Anfangszeit ist sehr viel schneller
abgeebbt als von den Managern in Hamburg und Toulouse erwartet. Um es
auf den Punkt zu bringen: Die Airbus-Spitze hat sich verkalkuliert.
Denn der weltweite Bedarf für das Flugzeug wurde von Anfang an
überschätzt. Letztlich hat die Fluggesellschaft Emirates als einziger
Kunde ein schlüssiges und längerfristiges Erfolgskonzept für seine
A380 gefunden. So kann es nicht verwundern, dass die Scheichs in
Dubai allein rund die Hälfte aller bisher ausgelieferten Riesenjets
gekauft haben. Andere Fluggesellschaften merkten dagegen schnell,
dass der große, schwere, mit Blick auf Umwelt und Kerosinverbrauch
wenig effiziente Flieger gar nicht oder höchstens als marginale
Ergänzung zu ihren Flotten passt. Obwohl der A380 – schaut man nur
auf die Umsatz- und Gewinnzahlen – kein Erfolg war, hat er
technologische Türen geöffnet und Weiterentwicklungen im Flugzeugbau
angestoßen. Die gute Nachricht: Airbus ist auch ohne den A380 gut auf
die Zukunft im Luftverkehr vorbereitet. Das sogenannte Brot- und
Buttergeschäft mit der A320-Familie, welches für den Standort Hamburg
besonders wichtig ist, läuft wie geschmiert. Und mit dem A350 ist
längst eine hauseigene Alternative für die Langstrecke auf dem Markt,
die mit deutlich weniger Treibstoff pro Passagier auskommt und damit
kostengünstiger und umweltverträglicher ist. Hier braucht sich Airbus
nicht hinter den Konkurrenzfliegern von Boeing verstecken. Diese
Einschätzung teilen offenbar auch die Experten an den Kapitalmärkten.
Nach Bekanntgabe des A380-Aus schoss die Airbus-Aktie um mehr als
fünf Prozent in die Höhe. Ein Grund: Der Nettogewinn im gesamten
Konzern stieg stärker als erwartet. Dennoch wirft das Aus für den
A380 Fragen auf. Die wichtigste betrifft die Arbeitsplätze an den
Produktionsstandorten. Mehrere Tausend Beschäftigte, die bisher am
A380 geschraubt haben, bangen um ihre berufliche Zukunft. Ihnen ist
das Top-Management schnell eine Antwort dazu schuldig, wie es
weitergeht. Schaut man auf die gute Auftragslage bei den anderen
Airbus-Fliegern, so dürften sich die Auswirkungen auf die Jobs in
Grenzen halten. Die IG Metall hat es bereits auf den Punkt gebracht:
Arbeit ist genug vorhanden, sie muss nur anders verteilt werden.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

Original-Content von: BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell

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