BERLINER MORGENPOST: Steuervermeider bekämpfen / Kommentar von Jens Anker zu Ferienwohnungen

Kurzform: Ein Großteil der Vermieter betreibt das
Geschäft also weiter ohne Genehmigung – und in der Regel auch ohne
eine irgendwie geartete Steuerzahlung, weil die Behörden nicht an
ihre Daten kommen. Hier liegt der eigentliche Skandal: Plattformen
wie Airbnb bieten ihren Kunden einen idealen Platz, um für das eigene
Geschäft zu werben, verdienen selber gut an Provisionen, wollen aber
aus fadenscheinigen Gründen die Daten ihrer Geschäftspartner nicht
den hiesigen Behörden zur Verfügung stellen.

Der vollständige Kommentar: Es wurde höchste Zeit. Die ersten 250
illegalen Ferienwohnungsvermieter haben Bußgeld in Höhe von insgesamt
1,5 Millionen Euro gezahlt. Die Bezirke beginnen, die illegale
Vermietung zu ahnden. Doch das kann nur ein Anfang sein, denn von den
geschätzten 20.000 Wohnungen in der Stadt, die für Feriengäste zur
Verfügung stehen, sind gerade einmal 1900 Vermieter bislang
registriert, die 3000 Genehmigungen erhalten haben. Ein Großteil der
Vermieter betreibt das Geschäft also weiter ohne Genehmigung – und in
der Regel auch ohne eine irgendwie geartete Steuerzahlung, weil die
Behörden nicht an ihre Daten kommen. Hier liegt der eigentliche
Skandal: Plattformen wie Airbnb bieten ihren Kunden einen idealen
Platz, um für das eigene Geschäft zu werben, verdienen selber gut an
Provisionen, wollen aber aus fadenscheinigen Gründen die Daten ihrer
Geschäftspartner nicht den hiesigen Behörden zur Verfügung stellen.
Da der Firmensitz dieser Geschäftemacher gern im Ausland liegt – im
Fall von Airbnb im Steuerparadies Irland – sehen sie sich nicht in
der Pflicht, hierzulande zu kooperieren. Nun muss Berlin versuchen,
über ein umständliches Auskunftsersuchen an Irland an die Daten der
Vermieter zu kommen. Durch solche Geschäftsmodelle geht allein dem
Land Berlin jedes Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag an
Steuereinnahmen verloren. Das haben die Regierenden in Berlin, im
Bund und auch im Europaparlament begriffen und suchen nach
Möglichkeiten, dieser Steuervermeidungsindustrie beizukommen. Dass
das lange dauern wird, war klar, denn es handelt sich um neue,
digitale Formen des weltweiten Handels. Es wird interessant, zu
verfolgen, welche dieser Geschäftsideen tatsächlich überlebt, wenn
erst einmal die Steuergerechtigkeit hergestellt sein wird.

Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

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