Besser ein Alarm zu viel / Kommentar von Joachim Fahrun zum Breitscheidplatz

Kurzform: Jeder, der sich über vorschnellen Aktivismus der
Sicherheitskräfte aufregt, sollte sich fragen: Was hätten Sie getan? Hätten Sie
den symbolträchtigen Weihnachtsmarkt einfach weiterlaufen lassen? Wohl kaum.
Auch wenn vielleicht nicht jeder vereitelte Terroranschlag tatsächlich kurz vor
der Ausführung stand, sollten wir froh sein, dass die Sicherheitskräfte in
Deutschland ihre Aufgabe ernst nehmen. Dazu gehört auch, lieber fünf Mal zu früh
Alarm auszulösen als einmal zu spät.

Der vollständige Kommentar: Falscher Alarm war das also am Sonnabend auf dem
Breitscheidplatz. Im Rückblick hätte die Polizei den Weihnachtsmarkt natürlich
nicht räumen müssen. Die Lage erwies sich zum Glück als nicht so ernst, wie die
Verantwortlichen zunächst glaubten. Das ist eine gute Nachricht für Berlin und
alle friedliebenden Menschen. Und es verbietet sich, jetzt vorlaut Kritik zu
üben an Polizisten, die angeblich Hysterie und Terrorangst weiter schürten. Die
Polizei ist zu Recht für ihren Umgang mit dem islamistischen Lkw-Attentäter von
2016 kritisiert worden. Der Hauptvorwurf lautete, man hätte doch schon früher
erkennen können, was der spätere Massenmörder vom Weihnachtsmarkt im Schilde
führte. Man wusste um seinen Umgang in salafistischen Kreisen und um sein
gewalttätiges, kleinkriminelles Vorleben. Den Mann nicht gestoppt zu haben,
dürfte vielen Ermittlern noch immer schwer auf der Seele lasten. Nun sind
Polizisten drei Jahre nach dem Anschlag dabei, wieder Männer mit salafistischem
Hintergrund zu beobachten. Sie sehen, wie die Zielpersonen den Weihnachtsmarkt
besuchen, wo das Mahnmal an die zwölf Toten erinnert. Dort benehmen sie sich
auffällig. Als sie angesprochen werden, versuchen sie zu flüchten. Zu allem
Überfluss heißt der eine Mann auch noch so wie ein international gesuchter
Verdächtiger. Jeder, der sich über vorschnellen Aktivismus der Sicherheitskräfte
aufregt, sollte sich fragen: Was hätten Sie getan? Hätten Sie den
symbolträchtigen Weihnachtsmarkt einfach weiterlaufen lassen? Wohl kaum. Auch
wenn vielleicht nicht jeder vereitelte Terroranschlag tatsächlich kurz vor der
Ausführung stand, sollten wir froh sein, dass die Sicherheitskräfte in
Deutschland ihre Aufgabe ernst nehmen. Dazu gehört auch, lieber fünf Mal zu früh
Alarm auszulösen als einmal zu spät.

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