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Börsen-Zeitung: Alarmsignale, Kommentar zur Bedeutung des Hurrikans „Harvey“ für die Rückversicherer von Stefan Kroneck

Während der Hurrikan „Harvey“ sein
Zerstörungswerk fortsetzt, ist noch ungewiss, wie hoch die
Belastungen für die Versicherer ausfallen. Angesichts der bereits
verheerenden Schäden in Texas und Louisiana zeichnet sich ab, dass
eine höhere zweistellige Milliardensumme herauskommen könnte.

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die Investoren die
Ereignisse an der US-Küste des Golfs von Mexiko noch relativ gelassen
betrachten. Die Aktien von Munich Re, Swiss Re und Hannover Rück
reagierten bislang mit minimalen Kursabschlägen. Obgleich die drei
größten Rückversicherer noch keine Schätzungen abliefern können,
dürfte „Harvey“ bei so manchem Anbieter die Erfolgsrechnung verhageln
und die Ergebniserwartungen dämpfen.

Der Hurrikan liefert Alarmsignale für die Assekuranz, steht doch
die diesjährige Sturmsaison im Südatlantik erst am Anfang. Die
Erfahrung des Katastrophenjahres 2005 – als drei tropische
Wirbelstürme in Folge die Branche mit rekordhohen 105 Mrd. Dollar
belasteten und für tiefrote Zahlen sorgten – lehrt, dass nach
„Harvey“ noch einiges nachkommen kann.

Dass die Hurrikan-Risiken 2017 höher ausfallen, hatten
Meteorologen vorhergesagt. Berufsoptimisten in den
Versicherungskonzernen könnten nun hoffen, dass es nicht so schlimm
wird, springt doch bei Großschäden aus Starkregen und Hochwasser in
den USA zum Teil Vater Staat ein. Das gilt aber nur für private
Haushalte. Die Belastungen für die Wirtschaft in Form von
Betriebsunterbrechungen tragen Versicherer – und die schlagen ins
Kontor, wie die Ölraffinerien und der internationale Flughafen von
Houston, die in den Fluten versinken, zeigen. Zwar haben die
Rückversicherer vor zwölf Jahren von „Katrina“ gelernt, indem sie
Naturkatastrophendeckungen teils auf Zweitschadenereignisse
umstellten, also erst bei einem nachfolgenden Hurrikan einspringen.
Doch bei einer Sturmserie nützt ihnen dieser Selbstbehalt wenig.

Derweil dürfte ihnen aber „Harvey“ auf einem anderen Feld von
Nutzen sein, so zynisch dies klingen mag. Aufgrund relativ geringer
Großschadenereignisse und eines Überangebots beklagen sich die
etablierten Häuser seit Jahren über fallende Preise für
Naturkatastrophendeckungen, was jedoch für die Versicherungsnehmer
ein Segen ist. Eine folgenschwere Hurrikan-Serie könnte eine
Trendwende bewirken. Daher wird das diesjährige Branchentreffen Mitte
September in Monte Carlo mehr den je ein Stimmungsindikator sein für
künftige Vertragserneuerungsrunden in der Assekuranz.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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