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Börsen-Zeitung: Auf dem Hoch, Kommentar zum Börsengang des Finanzinvestors EQT von Walther Becker

Private Equity spielt gerne mit Public Equity:
Da werden Unternehmen von der Börse genommen, andere wiederum an den
Kapitalmarkt geführt. Oder die Gesellschaften nutzen den öffentlichen
Handel selbst als Kapitalquelle für sich. So wie EQT, die sich nach
reiflicher Überlegung zum eigenen Initial Public Offering entschieden
hat.

Die Beteiligungsgesellschaft mit der schwedischen
Wallenberg-Familie als Ankerinvestor gilt als Nummer 2 unter den
europäischen Private-Equity-Häusern. EQT verspricht
überdurchschnittliche Renditen und eine operative Marge von ungefähr
60 Prozent sowie stetig steigende Dividenden. EQT erhofft sich vom
Börsengang die Verbreiterung der Investorenbasis und über
Aktien-Boni besseren Zugang zu Manager-Talenten, gerade in
Nordamerika und Asien, und verspricht eine transparentere
Unternehmensführung.

EQT will den Kurszettel verlängern – doch die Börse gerät
insgesamt ins Hintertreffen, nicht zuletzt infolge der Aktivitäten
von Finanzinvestoren: Die Zahl gelisteter Gesellschaften ist seit
2007 drastisch gesunken. Gleichzeitig erleben im Niedrigzinsumfeld
private Kapital-Pools einen enormen Aufschwung. Dahinter stehen
Pensions- und Staatsfonds, Family Offices, Versicherungen und andere
Adressen mit längerem Horizont.

Dass Private Equity bei institutionellen Investoren hoch im Kurs
steht, ist gewiss, lassen sich doch dort zweistellige Renditen
erzielen, die sich mit einer klassischen Geldanlage in Nullzinszeiten
nicht holen lassen. Das sorgt für einen enormen Anlagedruck – EQT
selbst hat zuletzt mühelos an die 11 Mrd. Euro für ihren jüngsten
Buy-out-Fonds einsammeln können. Die mit dem Schuldenhebel
arbeitenden Beteiligungsgesellschaften halten überwiegend illiquide
Investments. Der Anlagedruck und die günstige Fremdfinanzierung haben
die Bewertungen von Unternehmen in Übernahmen durch Finanzinvestoren
auf ungeahnte Höhen getrieben.

Doch es wird immer schwieriger, die erworbenen Unternehmen nach
einer Haltezeit von ein paar Jahren zu einem höheren
Ergebnisvielfachen zu versilbern. Gerade große Fonds wie EQT halten
sich zugute, Rendite nicht primär aus dem „Financial Engineering“ zu
schöpfen, sondern aus operativen Verbesserungen, sprich
Kostensenkungen, Effizienzsteigerungen und
Arrondierungsakquisitionen. Doch droht Ungemach durch den Abschwung,
der Exits erschwert.

So nutzt EQT mit dem Going Public das langsam auslaufende
Private-Equity-Hoch. Die Partner sind erst spät im Zyklus zum Teilen
bereit.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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