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Börsen-Zeitung: Bruchlandung, Kommentar zu Airbus von Stefan Kroneck

Wenige Wochen vor dem Wechsel an der
Konzernspitze musste Airbus eingestehen, mit dem A380-Geschäftsmodell
gescheitert zu sein. Die Bruchlandung mit dem Großraumflugzeug
zeichnete sich ab. Das Neugeschäft stockte seit langem. Der Bedarf
der Airlines war längst gedeckt. In seinem anfänglichen Überschwang
schätzte das Management das Marktpotenzial viel zu hoch ein. Die
Fehlplanung trug den Keim des Debakels in sich. Statt kalkulierten
1235 Stück als Gesamtabsatz bestellten die Luftfahrtgesellschaften
nur 313.

Für viele Airlines ist der schwere A380 unwirtschaftlich. Das Aus
des Prestigefliegers war damit nur noch eine Frage der Zeit. Als nun
auch noch der Großabnehmer Emirates absprang und Folgeaufträge
umschichtete, zog der scheidende Konzernchef Tom Enders die
Reißleine.

Dabei hätte er das schon vor Jahren tun können. Als Finanzchef
Harald Wilhelm, der im April als CFO zu Daimler wechselt, im Dezember
2014 auf einer Investorenkonferenz in London die Tragfähigkeit der
Baureihe öffentlich in Frage stellte, hätte das ihm fast das Amt
gekostet.

Wilhelm schenkte aber seinerzeit den Anlegern wenigstens reinen
Wein ein, während andere Konzernmanager immer noch gute Miene zum
bösen Spiel machten – einschließlich Enders. Eine Neumotorisierung
wurde ad acta gelegt, als sich für die Triebwerkhersteller
abzeichnete, dass dafür schlichtweg keine ausreichende Nachfrage
bestand. Enders und seine Mannschaft spielten auf Zeit in der
Hoffnung, dass irgendwann die Nachfrage wieder anzieht. Dadurch
verlor Airbus aber viel wertvolle Zeit, um eine Lösung für die
Dauerbaustelle zu finden. Der A380, der über 12 Mrd. Euro an
Entwicklungskosten verschlang, sorgte unter dem Strich für einen
hohen Verlust.

Positiv an dem Desaster aus Sicht der Anleger ist nur, dass jetzt
endlich Klarheit herrscht. Sie reagierten deshalb erleichtert. Das
lag auch daran, dass die A380-Belastung mit 463 Mill. Euro noch
relativ überschaubar ist. Mancher befürchtete höhere Mehrkosten.
Airbus steckt das ruhmlose Kapitel gut weg. Erleichtert wird dies
dadurch, dass die Geschäfte mit dem modernen Mittelstreckenflugzeug
A320neo und dem neuen Langstreckenmodell A350 gut laufen. Trotz der
A380-Krise konnte Airbus mit einem deutlichen Gewinnzuwachs die
Analystenschätzungen übertreffen.

Wenn Guillaume Faury im April den CEO-Posten übernimmt, muss
dieser sich nun wenigstens mit einer Last weniger herumschlagen.
Baustellen hat Airbus aber noch genug.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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