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Börsen-Zeitung: Das Bollwerk hält, Kommentar zu Chinas Devisenreserven von Norbert Hellmann

Chinas Devisenreserven sind die größten der Welt
und sollten es auf absehbare Zeit auch bleiben. Allerdings haben sich
monatelang Marktteilnehmer die Haare bei dem Gedanken gerauft, dass
der unter starkem Schwund stehende Fremdwährungsbestand unter die
„psychologisch“ wichtige Wahrnehmungsschwelle von 3 Bill. Dollar
fallen würden. Diese nämlich drohte zu einem Symbol für eine
wackelige Finanzmarktverfassung und für einen vergeblichen Kampf
gegen Kapitalflucht im Reich der Mitte zu werden.

Nun ist es so weit, Chinas Devisenschatz ist Ende Januar
tatsächlich knapp unter die Marke von 3 Bill. Dollar gesunken. Die
Symbolik aber bringt die Marktteilnehmer nicht mehr ins Schwitzen,
denn der Trend macht die Musik. Zum einen ist die jüngste
Verringerung der Devisenreserven wesentlich geringer ausgefallen als
in den Vormonaten. Zum anderen stoppte der starke Abwertungstrend des
Yuan gegenüber dem Dollar Ende Dezember, und seit Jahresbeginn legte
die chinesische Währung zu. Der Dollar-Hausse nach der Wahl von
Donald Trump zum US-Präsidenten ist inzwischen die Luft ausgegangen.

Gegenwärtig muss sich Chinas Zentralbank nicht mehr mit aller
Macht via Devisenmarktinterventionen gegen eine deutlichere
Yuan-Abwertung zum Dollar stemmen. Damit ist der wichtigste Faktor
für das Abschmelzen der Devisenreserven einstweilen etwas entschärft.
Auch zeigt eine Reihe von Restriktionen zur Eindämmung einer
Kapitalflucht Wirkung. Zum einen hat China mit neuen
Genehmigungsverfahren den etwas überdrehten Elan bei
Unternehmensaufkäufen im Ausland gebremst. Zum anderen gibt es
verstärkte Beschränkungen beim Transfer von Yuan ins Ausland sowie
einem nachgelagerten Umtausch in Fremdwährung auf Offshore-Plätzen
wie Hongkong. Das kann zwar als unschöne Unterbrechung von
Liberalisierungsfortschritten beim Kapitalverkehr gewertet werden,
aber es geht in erster Linie um die Unterbindung von illegalen,
bislang jedoch nur lax angegangenen Devisentransfers.

Nun gilt es aber Kapitalströme in die andere Richtung zu
vitalisieren beziehungsweise ausländische Anlagegelder anzuziehen,
wobei eine Straffung der Geldpolitik und wieder anziehende Renditen
am Bondmarkt helfen dürften. Das Bollwerk scheint vorerst zu halten.
Ausgestanden ist die Chose freilich nicht. Der nächste Hingucker für
China-Watcher dürften dann freilich weniger die heimischen
Devisenreserven sein, sondern was die US-Zentralbank Federal Reserve
an der Zinsfront treibt.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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