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Börsen-Zeitung: Deus ex machina, Kommentar zu Griechenland von Detlef Fechtner

Früher war alles einfacher. Wenn im fünften Akt
der antiken Tragödie alles fürchterlich vertrackt und die Katastrophe
scheinbar unabwendbar war, kam die Rettung eben „von oben“ – durch
überraschende Intervention einer Gottheit.

Das aktuelle griechische Trauerspiel nähert sich zwar ebenfalls
dem Ende, aber ein Deus ex machina ist nicht in Sicht. Die Akteure
sind erschöpft von vielen ergebnislosen Versuchen der Verständigung.
Das Publikum verliert ebenfalls jede Lust – müde der ständigen
Voraussagen eines angeblich kurz bevorstehenden Durchbruchs.

Trotzdem ist es falsch, zu behaupten, dass sich seit Tagen oder
gar seit Wochen nichts verändert hat. Hat es wohl! Bislang galt: Wenn
sich niemand bewegt, dann bleibt alles beim alten. Mittlerweile aber
– am Tag 20 vor Auslaufen des Programms gilt im Gegenteil: Wenn sich
niemand bewegt, bleibt nichts mehr beim alten. Sondern dann wird
Euroland ein Beben erleben. Und wie stark oder schwach die
Erschütterungen auf der nach oben offenen Skala sein werden, weiß
kein Mensch – kein Volkswirt, kein Notenbanker, kein Regierungschef,
kein EU-Kommissar.

Der Verhandlungsspielraum auf beiden Seiten ist überschaubar. Die
Euro-Partner können sich nicht leisten, eine Lösung ohne den
Internationalen Währungsfonds zu suchen, weil mehrere Regierungen
politisch oder sogar rechtsverbindlich darauf angewiesen sind, dass
der IWF bei der Stange bleibt. Der Fonds hat allerdings gerade
gestern deutlich gemacht, dass er für einen faulen Kompromiss in Form
eines schmutzigen politischen Deals nicht zur Verfügung steht.
Deshalb ist derzeit zum Beispiel keine Verständigung vorstellbar, bei
der Athen nicht zu Einsparungen bei den Renten bereit ist – denn
sonst ist die Hoffnung auf Haushaltsüberschüsse naiv.

Die griechische Regierung wiederum ist so hoch auf den Baum
geklettert, dass sie selbst dann Probleme haben wird, wieder
herunterzukommen und eine Einigung durchs heimische Parlament zu
bringen, wenn sich die Kapitalgeber bei den Bedingungen großzügig
zeigen.

Der Countdown hat begonnen. Ein Durchbruch erst beim EU-Gipfel
kurz vor Monatsende käme zu spät, prognostizieren übereinstimmend
Diplomaten. Im Grunde müsse eine Einigung auf Beamtenebene bis zur
Eurogruppen-Sitzung nächsten Donnerstag her. Insofern kommt es auf
die nächsten Tage an – und darauf, wie viel Geduld die griechischen
Bankkunden aufbringen, bevor sie nervös werden und damit anfangen,
Schalter und Automaten zu stürmen.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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