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Börsen-Zeitung: Dividende gesichert, Kommentar zu Shell von Andreas Hippin

Ben van Beurden, der Chef des BP-Rivalen Shell,
hat bei der Bekanntgabe des 47 Mrd. Pfund schweren Übernahmeangebots
für den kleineren Rivalen BG Group Wert auf die Feststellung gelegt,
dass die Dividende unangetastet bleibt. Für viele Briten bedeutet
das, dass ihre Altersbezüge sicherer geworden sind. Die privaten
Rentenversicherer und Versorgungswerke Großbritanniens beziehen
nahezu ein Zehntel ihrer Dividendeneinkommen von dem Öl- und
Gaskonzern.

Der Zukauf ist kein Zeichen der Stärke. Für Shell wurden die
Ausschüttungen an die Aktionäre zuletzt immer mehr zur Belastung. Der
Absturz der Ölpreise macht der gesamten Branche schwer zu schaffen.
Ihre Aktien werden in erster Linie wegen der vergleichsweise hohen
Dividendenrendite gekauft. Kommt die Übernahme zustande, liefert das
hinzuerworbene Geschäft van Beurden reichlich Cash-flow, der an die
Anteilseigner ausgekehrt werden könnte. Damit wäre die Dividende auch
dann gesichert, wenn es in anderen Geschäftsfeldern schlecht laufen
sollte.

Zudem erspart der Erwerb der BG Group dem FTSE-100-Schwergewicht
die mühevolle Suche nach neuen Öl- und Gasquellen. Kaufen ist
billiger, denn das Objekt der Begierde hat interessante Vorkommen im
Portfolio. Dem gerade erst angetretenen CEO Helge Lund war offenbar
klar, dass die BG Group – anders als Shell – weder über das Know-how
noch über die tiefen Taschen verfügt, die für deren effiziente
Ausbeutung erforderlich sind.

Analysten rechneten die einst aus British Gas hervorgegangene
Gesellschaft zu den wenigen Unternehmen der Branche, die auch in
einem Niedrigpreisumfeld wachsen können. Dafür sollten ihre
„Pré-Sal“-Assets sorgen, Ölvorkommen, die vor der brasilianischen
Atlantikküste kilometertief unter einer dicken Salzschicht liegen.
Das Unternehmen zählt außerdem zu den größten Flüssiggaslieferanten
der Volksrepublik China, deren Energiehunger auch dann noch zulegen
dürfte, wenn die Wachstumsraten der vergangenen Jahre nicht mehr
erreicht werden.

Shell kommt zugute, dass der Aktienkurs von BG Group unter Druck
geriet, nachdem Produktionsziele verfehlt wurden und der Chefsessel
monatelang unbesetzt blieb. Das Angebot ist ein opportunistischer
Schritt, der eine weitere Konsolidierungswelle lostreten könnte.
Shell kommt damit ExxonMobil zuvor. Der US-Konzern soll sich BG Group
ebenfalls angesehen haben. Auch jenseits des Atlantiks ist die
Sicherung der Dividende ein großes Thema.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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