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Börsen-Zeitung: Ein bisschen wie Amazon, Kommentar zu Alphabet von Stefan Paravicini

Als Ruth Porat, damals Finanzchefin von Morgan
Stanley, vor drei Jahren zum Internetkonzern Alphabet wechselte,
stand der Betreiber der größten Internet-Suchmaschine bei Investoren
in dem Ruf, die sprudelnden Gewinne aus dem Geschäft mit
Online-Werbung mit vollen Händen auszugeben und unter anderem in
sogenannten „Moonshot“-Projekten zu verbuddeln, deren
Ertragsmöglichkeiten genauso ungefähr definiert schienen wie ihre
Erfolgschancen. Dieses Image hat sich unter Porat grundlegend
gewandelt. Mehr Transparenz und Kostendisziplin haben mit dazu
beigetragen, dass sich der Börsenwert des Konzerns in den
vergangenen 36 Monaten verdoppelte und Alphabet zeitweise sogar
Apple als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen überholte.

Wie weit das neu hinzu gewonnene Investorenvertrauen reicht, wird
sich in den nächsten Monaten herausstellen. Denn Alphabet hat die
Bremsen gelöst und ihre Kapitalinvestitionen zum Jahresauftakt glatt
verdreifacht. Auch ohne einen milliardenschweren Immobilienkauf in
Manhattan hätten sich die Ausgaben verdoppelt und über den
Erwartungen gelegen. Der Aufwand für Vertrieb und Marketing ist zum
Jahresauftakt um ein Drittel und ebenfalls schneller als erwartet
geklettert.

Die Finanzchefin machte deutlich, dass es sich bei dem
Ausgabensprung nicht um ein Einmalereignis handelte. „Die vor uns
liegenden Möglichkeiten sind ziemlich außergewöhnlich, und wir
fokussieren uns weiter auf Investitionen, die das langfristige
Wachstum von Umsatz und Gewinn unterstützen“, erklärte Porat. Frei
übersetzt aus dem CFO-Sprech lautet die Ansage an Investoren, dass
Alphabet künftig ein bisschen wie der Online-Händler Amazon sein
will, was sich im ersten Quartal an einer empfindlich geschrumpften
operativen Marge ablesen lässt.

Im Vergleich mit Amazon, die seit Jahren den Großteil ihrer
Gewinne in immer neue Geschäftsfelder steckt und meistens einstellige
Margen ausweist, ist die Profitabilität von Alphabet fürstlich. Die
Investoren reagierten auf Porats Ansage dennoch irritiert, obwohl
Alphabet mit Umsatz und Gewinn zum Jahresauftakt die Erwartungen
übertraf. Nach dem Vertrauen in die Finanzchefin müssen sie jetzt
Zutrauen fassen, dass sich die zusätzlichen Investitionen bald
auszahlen werden. Amazon hat ihren Investoren diesen Glauben über
viele Jahre eingeimpft und auch deshalb Alphabet in Geschäftsfeldern
wie Cloud Computing, das enorme Investitionen in Rechenzentren
erfordert, abgehängt.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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