Börsen-Zeitung: Frankfurter Kraftzentrum, Kommentar zu den Fusionsplänen für Dekabank und Helaba von Bernd Wittkowski

Anno 1765 hat Carl I. zu Braunschweig und
Lüneburg das Herzogliche Leyhaus gegründet. Dieses älteste
öffentlich-rechtliche Kreditinstitut in Deutschland ist ein Urahn der
Nord/LB. Nicht viel jüngeren Datums ist der Beginn der Geschichte der
Konsolidierung unter den hiesigen öffentlichen Banken – offenkundig
eine Aufgabe für Leute mit langem Atem. Auch die jüngere Historie
zeigt, dass zwischen wohlformulierten Willensbekundungen und
notariellen Beurkundungen oft viele Fehlversuche liegen.

Ein Anlauf zur “Dekalaba”, der Verbindung von DekaBank und
Helaba, ist aus dem Jahr 2003 überliefert, andere Bestrebungen,
gerne auch zu dritt, ein neues “Sparkassen-Powerhouse” am Finanzplatz
Frankfurt zu bauen, liegen noch länger zurück. Etliche, auch fast
einstimmig gefasste Beschlüsse waren das Papier nicht wert, auf dem
sie standen. Der ehemalige Sparkassen- und spätere Bundespräsident
Horst Köhler beschrieb das klassische Gebaren in der Familie mit dem
roten “S” einmal sehr eindrücklich so: “Man signalisiert mir immer
Zustimmung im Detail, solange sichergestellt ist, dass die Sache als
Ganzes scheitert.” Manches an diesen Übungen beteiligte Institut hat
längst das Zeitliche gesegnet.

Was die regionalen Sparkassenpräsidenten und die Obleute der
Vorstände nun wohlwollend abgenickt haben, ist somit zunächst mal ein
unverbindlicher Appell an die Verantwortlichen, vor allem die Träger,
von Deka und Helaba, Fusionsgespräche aufzunehmen. Die
Beschlussgremien sind daran nicht gebunden. Dass DSGV-Präsident
Helmut Schleweis seinen ursprünglichen Plan für eine neue Zentralbank
abgewandelt hat, ist dessen ungeachtet ein kluger Schachzug. Der
strategische Fit einer “Dekalaba” ist nicht erst seit heute evident,
das widrige Umfeld legt eine Kräftebündelung der Nachbarbanken umso
mehr nahe, und die Entscheidungsträger auf allen Seiten scheinen
nicht abgeneigt zu sein. Das war nicht immer so.

Mit der durchaus nicht unrealistisch erscheinenden Schaffung eines
solchen Frankfurter Kraftzentrums würde zugleich Druck auf andere
Landesbanken und deren Träger aufgebaut: mitmachen oder draußen
bleiben. Letzteres könnte etwa für das Land Baden-Württemberg und
seine LBBW im Vergleich zum Andocken an ein in der Finanzmetropole
verankertes Haus die überzeugendere Lösung sein.

So oder so: Auf dem Weg zu einem Zentralinstitut haben die
Sparkassen einen Schritt gemacht, dem viele weitere folgen müssten.
Preisfrage dabei: Wie wird man die Länder als Miteigentümer los?

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