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Börsen-Zeitung: Hört die Signale!, Kommentar zur geplanten Börsenfusion von Claus Döring

Zugegeben: Die Internationale gehört nicht
unbedingt zum Sangesgut von Investmentbankern und Börsenmanagern. Und
auch viele Politiker haben in den Wochen vor dem britischen
EU-Referendum die Signale aus dem Volk nicht gehört oder hören wollen
und sind vom Ergebnis der Abstimmung auf dem falschen Fuß erwischt
worden. Aber den Knall des Brexit-Votums, die damit für den
Finanzplatz London schlagartig veränderten und sich noch verändernden
Rahmenbedingungen und ihre Implikationen für das Fusionsvorhaben der
Börsen in London und Frankfurt nur mit einem trotzigen „Weiter so“
und „Jetzt erst recht“ zu beantworten, signalisiert Realitätsverlust.

Jetzt zeigt sich, dass die Kritik am Timing des Fusionsvorhabens
mehr als berechtigt war. Gleiches gilt für Vorbereitung und
Konditionen der Fusion. Denn der Fusionsvorschlag kennt keinen Plan B
für den Fall eines positiven Brexit-Votums. Folglich sollen nun die
Aktionäre der London Stock Exchange einem Zusammenschluss zustimmen
und die Anteilseigner der Deutschen Börse einem Aktientausch, dessen
strategische, betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen und
Perspektiven sich mit dem Brexit-Votum erheblich verändert haben. Der
von den Fusionspartnern eingesetzte Referendumsausschuss ist ein
Placebo und kann nur im Nachhinein kosmetische Korrekturen des
Mergers erreichen. Nötig wären aber von Grund auf überarbeitete
Fusionsbedingungen einschließlich der Governance und der Sitzfrage
der fusionierten Börse. Aufgrund der aktuellen und der im Brexit-Fall
noch absehbaren Kräfteverschiebungen kann der Sitz bei einem
Zusammengehen mit London nur in Frankfurt sein.

Wem es bei der Börsenfusion um die Sache geht – nämlich einen
wettbewerbsfähigen Börsenbetreiber für den europäischen Kapitalmarkt
zu schaffen, der auch international ganz vorne mitspielt – und nicht
nur um die persönliche Karriere oder dicke Beraterprovisionen, muss
das Vorhaben jetzt stoppen. Wenn Vorstand und Aufsichtsrat dazu nicht
in der Lage oder willens sind, werden im Herbst Politik und Aufsicht
dafür sorgen. Das muss auch den Schwerhörigen unter den
Börsen-Verantwortlichen in den vergangenen Tagen deutlich geworden
sein. Eine Genehmigung mit Auflagen, wie mitunter spekuliert, wird es
nicht geben. Das ist schon börsenrechtlich nicht möglich.

Wer die Signale bisher überhört hat, sollte sich einer alten
Indianer-Weisheit erinnern: Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes
Pferd reitest, steig ab!

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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