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Börsen-Zeitung: Nur keine Aufregung, Kommentar zur chinesischen Konjunktur von Norbert Hellmann

An westlichen Finanzmärkten macht sich
Erleichterung breit. Chinas Wirtschaft ist trotz starker
Wachstumsabkühlung im ersten Quartal besser über die Runden gekommen
als erwartet. Seit Jahresbeginn hat es auf Ebene einzelner
Konjunkturindikatoren an schlechten Nachrichten nur so gehagelt, doch
scheint das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten
Volkswirtschaft nicht zu sehr gelitten zu haben.

Mit 7,4% BIP-Wachstum im jüngsten Dreimonatsabschnitt bleibt man
zwar deutlich hinter der Vorperiode mit 7,7% zurück und liegt auch
unter dem offiziellen Wachstumsziel der Regierung bei 7,5%. Man
scheint aber noch nicht an die Grenze zu stoßen, bei der Peking wie
in früheren Schwächeperioden große Konjunkturprogramme loszutreten
beginnt.

Genau aus diesem Grund reagieren die Marktteilnehmer in China
weniger begeistert. Dort scheint man irgendwie darauf gehofft zu
haben, dass eine zunächst schockierende Wachstumsdelle die Regierung
so weit aufschreckt, dass sie alle geld- und fiskalpolitischen
Register zieht, um den Konjunkturpuls des chinesischen Patienten
wieder hochzujagen. Leidvolle Nachwirkungen vorangegangener
Schocktherapien mit Kredit- und Verschuldungsexzessen,
Inflationsschüben und Assetpreisblasen geraten dabei natürlich gerne
in Vergessenheit.

Einige Analysten mutmaßen gar, dass der offizielle BIP-Ausweis ein
wenig geschönt wurde, weil dahinter stehende Leistungsdaten etwa auf
Ebene der Industrieproduktion oder der Anlageinvestitionen für ein
stärkeres Abrutschen der BIP-Expansionsrate sprechen. Solche
Verschwörungstheorien sind mit Vorsicht zu genießen. Aber selbst wenn
etwas dran sein sollte, hätte es diesmal seine guten Seiten, wenn es
die Regierung davon abhält, mit nervösen Eingriffen die Fehler der
Vergangenheit vermeiden zu wollen.

Abgesehen davon macht die chinesische Wirtschaft bereits im Zuge
von Reformen einen Anpassungsprozess durch, der relativ niedrige
Wachstumsraten der Industrieproduktion und der Anlageinvestitionen
weniger dramatisch erscheinen lässt. Der tertiäre Sektor ist auf dem
Vormarsch, die bislang weniger im Fokus stehende Dynamik des
Dienstleistungsgewerbes sorgt für positive Beschäftigungseffekte und
eine solide Einkommensentwicklung. Dies trägt wesentlich dazu bei,
dass man im Reich der Mitte Wachstumsraten mit nur einer schlappen 7
vor dem Komma nicht als Krisensituation verstehen muss, sondern als
einigermaßen gedeihliche Konjunkturperformance verstehen darf.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weitere Informationen unter:
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