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Börsen-Zeitung: Peinlicher Richtungswechsel, Kommentar zu den umfangreichen Kapitalbeschaffungsmaßnahmen der Credit Suisse, von Daniel Zulauf.

Die umfangreichen Maßnahmen, mit denen die
Credit Suisse ihre Kapitalstärke verbessern will, mögen zwar
nützlich, sinnvoll oder gar dringend erforderlich sein, wie die
Schweizerische Nationalbank der Großbank im Juni in ihrem Bericht zur
Finanzstabilität des Landes mehr als deutlich zu verstehen gab. Für
den Verwaltungsrat ist die plötzlich so dringend nötige
Kapitalbeschaffung aber eine große Peinlichkeit.

Noch vor drei Wochen hatte sich das Aufsichtsgremium vehement
gegen die Nationalbank-Kritik zur Wehr gesetzt und in einer
Mitteilung demonstrativ die eigene Zufriedenheit mit der Umsetzung
der verschärften Kapitalanforderungen hervorgehoben. Jetzt gibt das
Leitungsgremium dennoch klein bei und betont, die Maßnahme sei dazu
da, auch die letzten Zweifel an der Kapitalstärke der Bank aus dem
Weg zu räumen.

Zur Verteidigung des Verwaltungsrates ließe sich zwar anführen,
dass eine systemrelevante Großbank wie die Credit Suisse in diesen
wirtschaftlich unsicheren Zeiten im Streit mit der Notenbank
zwangsläufig auf verlorenem Posten steht. So gesehen könnte man
diesen der eigenen Glaubwürdigkeit höchst abträglichen
Richtungswechsel noch entschuldigen. Unentschuldbar und
dementsprechend peinlich ist aber der Umstand, dass die Bankleitung
den Ernst der Lage bis wohl zuletzt verkannt hat und außerstande war,
die Signale des Kapitalmarktes richtig zu deuten.

Nachdem sich der Preis der Credit-Suisse-Aktien seit März dieses
Jahres in zunehmendem Tempo nur noch südwärts bewegt hatte, schlugen
die Kurse gestern, als Folge der angekündigten Kapitalaufstockung,
schlagartig in die andere Richtung aus. Die Interpretation dieser
starken Börsenreaktion liegt auf der Hand: Offensichtlich warten die
Investoren schon seit Monaten darauf, dass die Bank endlich ihr
Kapital stärkt und damit sowohl für die Kapitalgeber als auch für die
Kunden wieder sicherer und attraktiver wird. Bemerkenswerterweise
wird die Kapitalerhöhung bejubelt, obwohl sie für die
Credit-Suisse-Aktionäre eine Verwässerung ihrer Ansprüche bedeutet.

Konzernchef Brady Dougan zieht sich darauf zurück, dass sich seit
Jahresanfang bei den Marktteilnehmern die Wahrnehmung verändert habe.
Statt der schrittweisen Umsetzung der verschärften
Kapitalvorschriften will man jetzt zügig vorangehen. Hätten
Verwaltungsrat und Management diese Erkenntnis früher gehabt, stünde
die Bank heute mit einem besseren Image und einem vermutlich deutlich
höheren Börsenwert da.

(Börsen-Zeitung, 19.7.2012)

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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