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Börsen-Zeitung: Reputation in Gefahr, Kommentar zu Bayer von Annette Becker

Stakeholder-Mapping ist für PR-Fachleute kein
Fremdwort. Das, was Monsanto in dieser Hinsicht in Europa unternommen
hat, wohl schon. Der US-Saatguthersteller, der im vorigen Sommer von
Bayer übernommen wurde, hat PR-Agenturen beauftragt, Listen von
Journalisten, Politikern und Umweltaktivisten anzufertigen und diese
in bestimmte Kategorien einzuteilen. Gespeichert wurden dabei allem
Anschein nach auch persönliche Daten, der Vorwurf der Verletzung von
Persönlichkeitsrechten steht im Raum.

Als hätte Bayer nicht schon genug mit den von Monsanto geerbten
Glyphosatklagen am Hals, kommt nun ein weiteres
reputationsschädigendes Thema ans Tageslicht. In Frankreich hat die
Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen, nach Einschätzung
von Bayer dürfte sich das Thema jedoch auf weitere Länder der
EU erstrecken.

Monsanto eilte nicht zu Unrecht ein einschlägiger Ruf voraus. Ein
Faktum, das Bayer lange nicht wahrhaben wollte. Zu sehr wurde der
Blick auf Finanzdaten und wirtschaftliche Potenziale eingeengt. Das
größte Risiko, das Bayer 2016 ausmachte, war die Frage, ob Glyphosat
in der EU wieder zugelassen werde. „Wir haben ein Unternehmen
übernommen, bei dem wir keinen Zweifel haben, dass es auch unter
ethischen Gesichtspunkten gut geführt wurde“, hatte Bayer-CEO Werner
Baumann Ende 2018 noch im Brustton der Überzeugung im Interview
dieser Zeitung gesagt. Nun geht es um den Verstoß gegen ethische
Grundsätze.

Zumindest aber hat Bayer mit dem neuen Cheflobbyisten Matthias
Berninger einen guten Fang gemacht. Zum ersten Mal seit der Übernahme
von Monsanto, die viele Stakeholder des einst so tadellos
beleumundeten Dax-Werts zutiefst erschüttert und enttäuscht hat, hat
sich Bayer öffentlich entschuldigt. Unangemessen und inakzeptabel
seien die jetzt ans Tageslicht gekommenen Geschäftspraktiken von
Monsanto gewesen – unabhängig davon, ob beim Ausspähen gegen Gesetze
verstoßen wurde.

Das Geschehene kann dadurch natürlich nicht ungeschehen gemacht
werden. Doch steigt Bayer endlich vom hohen Ross und räumt Fehler
ein, auch wenn es die von Monsanto sind. Der Auftrag zum
Stakeholder-Mapping wurde 2015 erteilt und somit vor den ersten
Übernahmegesprächen. Die Verantwortung aber trägt seit vorigem Sommer
Bayer, auch daran lässt Berninger keine Zweifel.

Die traurige Wahrheit ist: Bayer hat sich mit Monsanto nicht nur
ein milliardenschweres Rechtsrisiko, sondern auch ein gehöriges
Reputationsrisiko eingekauft.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

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