Nach der bitteren Niederlage im Kampf um
Deutsche Wohnen Anfang 2016 und der einvernehmlichen Übernahme von
Conwert ein halbes Jahr später hat Vonovia-Chef Rolf Buch wieder
einen „ausgesprochen friendly deal“ ausgehandelt – erneut in
Österreich und erneut bedurfte es nur eines Wochenendes der
Überzeugungsarbeit. Für 5,2 Mrd. Euro verleibt sich Deutschlands
größter Wohnungsvermieter die Wiener Buwog ein.
Zweifel am Gelingen gibt es keine, wie nicht zuletzt die
Kursreaktion zeigt. Die seit April 2014 notierte Buwog – Spin-off aus
Immofinanz – sprang am Montag knapp unter den Angebotspreis. Das
allerdings ist wenig verwunderlich, bietet Vonovia doch einen
Aufschlag auf den Buwog-Nettovermögenswert von fast einem Viertel.
Ein Angebot, das Buwog-Chef Daniel Riedl nicht ausschlagen konnte,
selbst wenn er gewollt hätte. Und dass er wollte, das ließ das
künftige Vorstandsmitglied von Vonovia durchaus durchblicken. Was die
persönliche Ebene der Gespräche betreffe, könne er Buch, der sich
zuvor lobend geäußert hatte, nur Recht geben, sagte Riedl. Den
Verlust der Eigenständigkeit kommentierte er dagegen nicht. Vielmehr
hob er hervor, um die Konditionen der Offerte gerungen zu haben.
Trotz der hohen Bewertung dürfte sich die Übernahme für Vonovia in
vielerlei Hinsicht auszahlen. Zum einen ergänzen die Buwog-Bestände
das Vonovia-Portfolio geradezu ideal. So befindet sich mehr als die
Hälfte des Buwog-Bestands in Deutschland, allein im boomenden Berlin
kommen 4000 Wohnungen dazu. Zum anderen verfügt Buwog bereits heute
über eine führende Marktposition in Österreich, mit Schwerpunkten in
Wien, Graz, Klagenfurt, Salzburg und Villach. Damit hat Vonovia im
ersten Markt außerhalb Deutschlands mehr als den Fuß in der Tür. Last
but not least gelingt Vonovia mit der Übernahme der Einstieg ins
Development-Geschäft. Dieses ist zwar mit deutlich höheren Risiken
behaftet als das schlichte Verwalten von Wohnungen, bietet aber auch
höhere Renditechancen. Buwog bringt Grundstücke mit, die Platz für
10000 neue Wohnungen bieten.
Hatte Buch mit dem Start der eigenen Bauprojekte im Wege der
Nachverdichtung stets Wert darauf gelegt, nicht in die
Entwickler-Ecke gestellt zu werden – Bestandshalter locken nun einmal
mit stabilen Cash-flows -, wird nun ganz geschmeidig die Wende
vollzogen. „Eine schöne Bescherung zum dritten Advent“, sagt Buch,
und seine Investoren pflichten ihm bei.
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