Börsen-Zeitung: Schutz vor Beratung, Kommentar zur privaten Geldanlage von Bernd Wittkowski

In der Bilanzsaison am Finanzplatz gibt es
etliche Dauerbrenner, die in der öffentlichen Wahrnehmung vor lauter
Großbankfusion und Superlandesbank unter den Tisch zu fallen drohen.
Vieles davon betrifft den gemeinen Banker sowie Erika und Max
Musterpaar in ihrer Eigenschaft als Bankkunden weit mehr als jegliche
Konsolidierungsfantasie. Die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II und
die zugehörige Verordnung sind ein Beispiel für diese Aufregerthemen
aus dem wahren Leben.

Erst einmal ist dem deutschen Bankgewerbe für die Umsetzung des
Regelwerks bis Anfang 2018 ein Aufwand etwa für IT und Personal von
geschätzt 1 Mrd. Euro plus laufende Kosten entstanden. Dieses Geld
ist nicht weg, es hat nur ein anderer. Nachhaltiger sind die Folgen
für die Wertpapierdienstleistungen von Banken und Sparkassen sowie
für das Sparverhalten beziehungsweise, soweit vorhanden, die
Wertpapierkultur der Bundesbürger.

Laut Umfrage des Sparkassenverbandes DSGV berichten drei von vier
Instituten über Beschwerden und Unmutsäußerungen der mit Hunderten
Seiten Produkt- und Kosteninformationen traktierten Anleger, unter
anderem wegen der Dauer der Orderprozesse. Der Genossenschaftsverband
ermittelte, dass wegen der Pflicht, Telefonate auch gegen den
erklärten Wunsch des Kunden aufzuzeichnen, bereits mehr als jede
vierte Mitgliedsbank das Angebot der telefonischen Kontaktaufnahme
komplett eingestellt habe. Banken und Sparkassen stellen einmütig und
nachvollziehbar fest, der von ihnen durchaus als Notwendigkeit
anerkannte bestmögliche Verbraucherschutz verkehre sich in der Praxis
in den Schutz der Verbraucher vor Beratung. Es gebe nur Verlierer.

Der Handlungsbedarf ist also evident, aber sicher nicht im Sinne
der Absicht der EU-Kommission, die Mifid dahingehend zu erweitern,
dass Banken und Sparkassen ihre Kunden künftig aktiv auf
Anlagemöglichkeiten in nachhaltige Produkte hinweisen müssen – ohne
dass auch nur entfernt klar ist, welche Investments das Prädikat
“nachhaltig” verdienen. Ein Lob gebührt derweil dem
Bundesfinanzministerium, das im Januar in Sachen Mifid eine bis zum
15. März laufende öffentliche Konsultation zu Erfahrungen und
möglichem Änderungsbedarf gestartet hat.

Vor Hoffnung auf schnelle Abhilfe sei indes gewarnt: Die kann nur
auf europäischer Ebene geschaffen werden. Und diesbezüglich nennt
Berlin schon mal den März als einen möglichen Termin – März 2020.
Bis dahin wird wohl noch vielen Banken und Bankkunden die Lust auf
Wertpapiere vergangen sein.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

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