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Börsen-Zeitung: Späte Einsicht, Kommentar zur Deutschen Bank von Bernd Neubacher

Die Deutsche Bank schrumpft nicht nur ihre
Bilanz, sondern auch ihre Bonifikationen. Blätterte sie für 2013 noch
stolze 3,2 Mrd. Euro an variabler Vergütung hin und für 2014 und 2015
rund 2,7 Mrd. beziehungsweise 2,4 Mrd. Euro, so dürften sich die
Entgelte in der anstehenden Runde auf 1,2 Mrd. Euro glatt halbieren.
Führungskräfte schauen gar komplett durch die Finger, was einen
Individualbonus angeht.

Müssen die Vice Presidents, Directors und Managing Directors nun
zahlen für den jüngsten Vergleich mit dem US-Justizministerium im
Hypothekenstreit, der zunächst mit rund 3 Mrd. Dollar zu Buche
schlägt? In diesem Fall würden die Boni dem Konzept der
Anreizstruktur gerecht wie selten zuvor, auch wenn es etwa im
Vorstand ausnahmslos Manager träfe, die noch nicht an Bord waren, als
die Bank am US-Hypothekenmarkt fingerte.

In Vorstand und Aufsichtsrat hat sich endlich die Einsicht
durchgesetzt, dass es nicht weitergeht wie 2015, als das Institut
einen Rekordverlust buchte und den Aktionären zwei Jahre
Dividendenverzicht ankündigte, an den Boni indes nur homöopathische
Abstriche machte. Die betriebswirtschaftliche Logik hat dabei kräftig
mitgeholfen, läuft die Bank doch Gefahr, nach den Zielen ihrer
Strategie 2015 auch die für 2018 formulierten Vorgaben infolge
überhöhter Kostenbasis zu verfehlen. Analysten zufolge dürfte sie für
2016 eine Kosten-Ertrags-Quote von 96 Prozent ausweisen, schon im
kommenden Jahr aber will sie bei rund 70 Prozent landen.

Nun zahlt das Institut variabel zwar noch immer zehnstellig,
während netto ein dreistelliger Millionenverlust zusammen kommen
dürfte. Der Wille, die Kosten zu senken, ist freilich unverkennbar.
Das „begrenzte langfristige Anreizsystem“, welches der Vorstand
solchen Mitarbeitern verspricht, „deren Positionen ganz besonders
entscheidend für die Zukunft der Bank sind“, darf man vor diesem
Hintergrund getrost als Placebo betrachten – hätte es Gewicht, hätte
sich die Bank ihre Bonuskürzung und die damit verbundene Unruhe
intern sparen können.

In den kommenden Monaten wird es spannend. Jahrelang bügelte die
Bank Kritik an ihren Boni ab mit dem Argument, sie müsse
wettbewerbsfähige Entgelte bieten, um den Verlust guter Leute zu
verhindern. Mancher Verantwortliche dürfte nun hoffen, dass die Bank
damit nur an einer Legende strickte. Auch mit der Vergütung
andernorts, welche die Bank jahrelang anführte, um die durch die
eigenen Ergebnisse nicht zu rechtfertigenden Boni zu begründen, ist
es nicht mehr so weit her. Das ist die neue Realität, der sich alle
Banker beugen müssen.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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