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Börsen-Zeitung: Staatliches Rettungspaket; Kommentar zu LafargeHolcim von Walther Becker

Immer wieder haben sie es versucht und einige
Male sind sie aufgeflogen: Die Baustoffhersteller von „homogenen
Massengütern“ haben an die Wettbewerbshüter so einiges für Sünden in
der Vergangenheit abdrücken müssen. Jetzt geht es den beiden
Weltmarktführern um ein legalisiertes Kartell, unterlegt mit
gesellschaftsrechtlicher Verflechtung. Ausgerechnet die Bemühungen
der Wettbewerbshüter führen nun dazu, dass ein weltweit führender
Konzern entsteht, der keine plumpen Preisabsprachen mehr benötigt, um
seine Position zu zementieren, und der alle Wettbewerber in der von
Überkapazitäten gebeutelten Branche weit in den Schatten stellen
wird.

Sie stehen vor einem Megadeal, größer als alles, was sich zur
Hochzeit der kreditfinanzierten Übernahmen auch in dieser
bodenständigen Branche um 2007 herum getan hat. Glaubt man den
Protagonisten in Zürich und Paris, dann entsteht der
„fortschrittlichste Konzern der Baustoffbranche“ über eine Fusion
unter Gleichen. Wenn die Nummer 1 und 2 einer Branche zusammengehen,
dann sieht das nicht nach einem von Wachstum getriebenen Angriffspakt
aus, sondern nach Notoperation. Beide Rivalen leiden unter der
Wirtschaftskrise und anziehenden Energiepreisen. Nun treten sie die
Flucht nach vorne an.

Um nicht an der Aufsicht zu scheitern, bieten sie von sich aus an,
sich von einem Umsatz von etwa 6 Mrd. Euro, zwei Drittel davon in
westlichen Industrieländern, und einem operativen Ergebnis (Ebitda)
um die 700 Mill. Euro zu trennen. Wer solche Beträge anbietet, weiß,
dass er mit wesentlich größeren Verkäufen rechnen muss.

Dutzende von Kartellbehörden überall auf dem Globus werden den
Deal unter die Lupe nehmen. Vor allem in Europa, wo die Schweizer auf
28% Marktanteil kommen und die Franzosen auf 29%, aber auch in
Nordamerika, wo sich Lafarge 21% des Kuchens herausschneidet und
Holcim 16%, dürfte es kritisch werden. Der avisierte Verkauf von
Vermögensteilen soll indessen helfen, die Nettoschulden von
kombiniert 20 Mrd. Euro zu reduzieren.

Stimmen die – staatlich dominierten – Kartellbehörden der
transformierenden Transaktion zu, dann ist diese Fusion nichts
anderes als ein staatliches Rettungspaket für zwei Unternehmen in
einem von Überkapazitäten belasteten Markt. Immerhin ohne Einsatz von
Steuergeldern. Doch für Kunden und Wettbewerb ist das Monopoly keine
gute Botschaft. Dass die Investoren Beifall klatschen, wundert
dagegen nicht. Die Aktien waren auf die Hälfte des Niveaus gesunken,
das sie zu Zeiten des M & A-Booms hatten.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weitere Informationen unter:
http://


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