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Börsen-Zeitung: Zweifelhafter Neubeginn, Kommentar zu Audi von Stefan Kroneck

Fast zwei Jahre nach der aufgedeckten Affäre um
manipulierte Dieselabgaswerte hat es Audi immer noch nicht geschafft,
sich zu einem überzeugenden Neuanfang durchzuringen. Statt eines
radikalen Umbaus der Konzernspitze verständigten sich die
Kapitalseite und die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der
Volkswagen-Tochter auf eine kleine Lösung: Das Kontrollgremium unter
Leitung von VW-Chef Matthias Müller tauscht vier der insgesamt sieben
Vorstände mit Managern aus den eigenen Reihen vorzeitig aus. Der
umstrittene CEO Rupert Stadler darf bleiben.

Mit Thomas Sigi (Personal), Axel Strotbek (Finanzen), Dietmar
Voggenreiter (Vertrieb) und Hubert Waltl (Produktion) gehen
altgediente Audi-Manager, gegen die bislang nichts Belastendes in der
Dieselaffäre vorliegt. Die Familien Porsche und Piëch wechselten die
vier deshalb aus, weil die beiden Clans ihnen nicht mehr zutrauen,
die technologische Fortentwicklung des Konzerns in Richtung
Elektromobilität und autonomes Fahren zu bewerkstelligen. Zweifellos
machten die selbstverschuldeten Rückschläge im Wettstreit mit BMW und
Daimler um die Vorherrschaft im Pkw-Premiumsegment eine Umbesetzung
von Schlüsselpositionen zwingend erforderlich. Doch eine Wende
ausgerechnet mit jenem CEO zu wagen, der angesichts des Dieselbetrugs
selbst bei Audi nicht mehr als unangefochtene Führungsfigur gilt, ist
ein fataler Fehler.

Die Porsches und die Piëchs halten geradezu unbeeindruckt an
Stadler fest, obwohl dieser in der Aufklärungsarbeit über die
Machenschaften eine schlecht Figur abgab und sich selbst mit
Anschuldigungen, viel früher von der Manipulationen gewusst zu haben
als behauptet, herumschlagen muss. Mit einer solchen Lame Duck ist
ein wirklicher Neubeginn kaum mehr möglich.

Doch so lange die alten Seilschaften im VW-Reich immer noch
funktionieren, wird sich Stadler an der Spitze von Audi halten
können, wie zuletzt seine erfolgte Vertragsverlängerung
veranschaulichte. In diesem Zusammenhang lässt die Ernennung von
Wendelin Göbel aufhorchen. Ausgerechnet einer der engsten Vertrauten
des früheren VW-Chefs Martin Winterkorn, der Ende September 2015 über
Dieselgate stolperte, wird nun neuer Audi-Personalvorstand. Das
dürfte nicht für Ruhe in Ingolstadt sorgen.

Sollte Müller derweil für den angezählten Audi-CEO doch noch einen
Nachfolger finden, hätte das weitere Personalrochaden bei der
VW-Tochter zur Folge. Das einstige Vorzeigeunternehmen bleibt eine
Baustelle.

Pressekontakt:
Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069–2732-0
www.boersen-zeitung.de

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