Das Ringen um den CDU-Parteivorsitz Von Teamgeist keine Spur Lothar Schmalen, Düsseldorf

Erst Friedrich Merz, Jens Spahn und Armin Laschet – und jetzt
auch Norbert Röttgen. Das Potenzial an Bewerbern in der NRW-CDU für den
Parteivorsitz scheint unerschöpflich. Bedenkt man, dass mit Generalsekretär Paul
Ziemiak und Bundestagsfraktionschef Ralph Brinkhaus weitere NRW-Christdemokraten
entscheidende Positionen der CDU inne haben, dürfte den Unionisten in den
anderen Landesverbänden langsam schwindlig werden. Sicher ist der
CDU-Landesverband NRW mit seinen 122.000 Mitgliedern der bei weitem größte
Landesverband der Partei, dennoch stellt dieser Landesverband “nur” gut ein
Viertel aller Mitglieder. Die Frage sei also erlaubt: Gibt es eigentlich in den
anderen drei Vierteln der Partei niemanden, der für ein Spitzenamt infrage
kommt? Mit Röttgen zurück zu alter Stärke? Das vermag sich selbst in
Nordrhein-Westfalen, wo der frühere CDU-Landeschef seit seiner krachenden
Niederlage bei der Landtagswahl 2012 gegen die damalige Ministerpräsidentin
Hannelore Kraft, eher als der Verlierer schlechthin wahrgenommen wird, niemand
vorzustellen. Ein Rätsel also, warum sich Röttgen, der sich in den vergangenen
Jahren durchaus neues Renommee als Außenpolitiker erarbeitet hat, das antut. Man
darf gespannt sein, wie NRW-Landeschef Armin Laschet den Prozess der
Kandidatenfindung in seinem Landesverband wieder in den Griff bekommen will. Als
Geburtstagsgeschenk jedenfalls wird Laschet, der gestern 59 Jahre alt wurde, die
Überraschungskandidatur seines früheren Rivalen Röttgen nicht empfunden haben.
Gerade erst hatten sich Laschet, Spahn und CSU-Parteichef Markus Söder für ein
Team an der Spitze der Union ausgesprochen. Von Teamgeist ist bei den führenden
CDU-Playern zurzeit allerdings nichts zu spüren. Mit dem ersten “offiziellen”
Kandidaten Röttgen scheint sich das Bewerber-Niveau zudem jetzt auch noch eher
nach unten zu bewegen. Und noch etwas anderes ist jetzt klar: Mit einer Führung
des Prozesses “von vorne”, wie AKK sich das bei ihrer Rücktrittsankündigung
vorgestellt hat, also erst einen Kanzlerkandidaten küren und den dann auch zum
Parteivorsitzenden wählen, hat das, was sich da gerade in der CDU abspielt, rein
gar nichts zu tun. Merz, Spahn, Laschet, Röttgen, Ziemiak, Brinkhaus – alle aus
NRW und alles Männer. Nach der langen Kanzlerschaft von Angela Merkel und dem
kurzen Zwischenspiel mit Annegret Kramp-Karrenbauer an der Parteispitze ist die
Ära der Frauen bei der CDU jetzt wohl beendet – im Gegenteil: mit einer
absoluten Männerherrschaft ist die Partei zumindest in dieser Hinsicht
schnurstracks auf dem Weg zurück in das vergangene Jahrhundert.

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