Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zu Corona

Liebe Leserin, lieber Leser, sind Sie jung, halbwegs fit und
haben keine schlimmen chronischen Krankheiten? Dann können Sie trotz der vielen
Schlagzeilen rund um das Coronavirus ziemlich entspannt sein. Eine
Coronainfektion würde für Sie wohl kaum schlimmer sein als ein Schnupfen. Sie
würden mit einiger Wahrscheinlichkeit zu jenen 80 Prozent der Infizierten
zählen, die nach den bisher bekannten Statistiken genesen, ohne überhaupt
richtig krank zu werden.

Falls Sie kleine Kinder haben, würden auch die eine Infektion
höchstwahrscheinlich locker wegstecken. Auch das legen die aktuell verfügbaren
Statistiken nahe. Eine Garantie dafür, auf jeden Fall mit heiler Haut
davonzukommen, bedeutet das allerdings auch wieder nicht.

Sind Sie aber nicht mehr ganz so jung, haben Sie vielleicht eine schwerere
Krankheit durchgemacht oder sind Sie ohnehin angeschlagen? Dann sollten Sie
besser alles daran setzen, keine Coronainfektion zu bekommen. Denn die könnte
bei Ihnen wirklich unangenehm verlaufen. Bei etwa 15 Prozent der Betroffenen,
zumeist solchen im fortgeschrittenen Rentenalter oder solchen mit
Vorerkrankungen, registrieren die Ärzte schwere und bisweilen lebensbedrohliche
Krankheitsverläufe. Das heißt andererseits aber auch nicht, dass jede Infektion
bei einer Risikoperson schlimme Folgen haben muss.

Was die Sache noch komplizierter macht: Die Jungen und die Alten, die Fitten und
die weniger Fitten, die mit geringem und die mit erhöhtem Risiko, wohnen Tür an
Tür, fahren zusammen im Bus und stehen gemeinsam in der Schlange vor der
Supermarktkasse. Was der eine leicht wegstecken kann, kann für den anderen
wirklich bedrückend werden.

Für eine Person mit erhöhtem Risiko kann es durchaus sinnvoll sein, einen
größeren Vorrat an Lebensmitteln auf einmal einzukaufen, um möglichst selten in
der Supermarkt gehen zu müssen, wo sich vielleicht Virusträger befinden. Das
funktioniert aber nicht, wenn andere die Regale schon leergekauft haben. Und das
vielleicht nur deshalb, weil der Nachbar, der Arbeitskollege, die beste Freundin
auch Vorräte angelegt haben. Man weiß ja nie… Das ist dann schon Hysterie, und
die ist immer ein schlechter Ratgeber. Das Coronavirus ist hochinfektiös, es
verbreitet sich schnell, aber es ist weder Ebola noch die Spanische Grippe. Es
wird nicht von heute auf morgen tausende Todesfälle in Deutschland verursachen.
Es ist für die große Mehrheit der Bevölkerung eher lästig als gefährlich.

Es werden auch nicht Millionen Deutsche fiebernd im Krankenbett liegen. Das
öffentliche Leben, die Lebensmittelversorgung, Strom- und Wasserleitungen – all
das wird vielleicht verlangsamt, jedoch nicht zum Erliegen kommen. Zugleich
stellt das Virus für einen nicht ganz kleinen Teil der Bevölkerung offenbar eben
doch eine wirkliche Gefahr dar.

Nehmen wir die Situation also so ernst wie nötig und so gelassen wie angemessen.
Schützen wir diejenigen, die Schutz nötig haben. Indem wir uns so verhalten,
dass wir das Coronavirus und möglichst auch alle anderen Erreger nicht
leichtfertig verbreiten. Häufigeres Händewaschen ist zumutbar. Und sein
Gegenüber nicht anzuhusten, sollte ja ohnehin selbstverständlich sein.

Helfen wir den wirklich Kranken, wenn es die demnächst tatsächlich in größerer
Zahl geben sollte, indem wir uns solidarisch verhalten. Zum Arzt gehen sollte
nur, wer wirklich krank ist. Leichtes Fieber lässt sich auch zu Hause
auskurieren. Und Arbeitgeber sind gut beraten, nicht als erstes nach einer
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu rufen, wenn ein Mitarbeiter Husten oder
Halsweh hat. Klar, es könnte ja auch nur eine ganz banale Erkältung sein. Aber
auch die ist ansteckend. Und die ganz normale Grippesaison ist ja auch noch
nicht beendet. Grippe plus Corona plus Hysterie: Diese Kombination könnte das ja
eigentlich ja ganz gut gerüstete Gesundheitswesen tatsächlich schwindelig
machen.

Noch ist die Diskussion für uns Ostwestfalen eher theoretischer Natur. Nicht
eine einzige Infektion ist in unserer Region bislang nachgeweisen. Vielleicht
bleibt das ja sogar so – auch wenn das unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich
ist.

Wünschen wir uns allen also einen kühlen Kopf. Im wörtlichen wie im übertragenen
Sinne.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/66306/4534590
OTS: Westfalen-Blatt

Original-Content von: Westfalen-Blatt, übermittelt durch news aktuell

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