Demokratie erneuert sich nicht auf Parteitagen – sondern in Bildungsräumen

Demokratie erneuert sich nicht auf Parteitagen – sondern in Bildungsräumen
Sandra Weckert Portrait (© Sarah Eick)
 

Warum politische Erneuerung bei Kindern, Jugendlichen und Ausbildung beginnen muss

Parteitage, Reden und Selbstvergewisserungen gehören zur Demokratie – sie sind sichtbar, manchmal (unangenehm) laut und zwangsläufig medial präsent.

Was sie nicht tun: Zentrale Probleme lösen, wie zum Beispiel

* den wachsenden Abstand zwischen politischem Anspruch und gesellschaftlicher Wirklichkeit
* Demokratieverdrossenheit
* Radikalisierung
* Fachkräftemangel
* Vertrauensverlust
* wachsende Bildungskrise.

All dies entsteht nicht, weil Parteien zu wenig reden, sondern weil zu viele Menschen – insbesondere junge – zu selten erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.

„Ich bin der Politik eh egal, also ist sie es mir auch.“ – 13-jähriger Schüler aus MV

Politische Abgrenzung ersetzt keine gesellschaftliche Wirksamkeit

Abgrenzung gegenüber extremistischen Positionen ist natürlich notwendig, doch gleichzeitig kein politisches Konzept. Sie ist Mindestvoraussetzung, nicht mehr und nicht weniger.

Was fehlt – die Spatzen pfeifen es übrigens von den Dächern und ihnen zuzuhören lohnt sich ungemein – sind belastbare Antworten auf die Frage, wie demokratische Haltung entsteht, jenseits von Parolen, Parteiprogrammen oder Koalitionsausschlüssen.

Demokratie wird nicht gelernt, indem man sie erklärt, sondern indem man Verantwortung übernimmt. Und genau hier beginnt Bildungspolitik.

Bildung beginnt vor Hochschulen – und vor Parteitagen

Wer über die Zukunft eines Landes spricht, muss (!) über Kinder, Jugendliche und Ausbildung sprechen. Nicht abstrakt, sondern konkret. Bildungssicherheit ist noch nie durch Zielvereinbarungen entstanden, sondern immer nur dort, wo junge Menschen erfahren:

* dass sie gebraucht werden
* dass ihr Beitrag zählt
* dass Verantwortung Konsequenzen hat
* dass Kooperation stärker ist als Konkurrenz

„Dummerweise ist es schwierig, zu erklären, was die Matrix ist, jeder muss sie selbst erfahren.“ Morpheus zu Neo.

Was für die Matrix gilt, gilt auch für Bildung und Demokratie: Erfahrung lässt sich nicht verordnen, nur ermöglichen.

Praxis zeigt, was politische Programme nicht leisten können

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Bildungsprojekte, die genau das leisten, was politische Strategiepapiere versprechen: Sie stärken Verantwortungsgefühl, soziale Kompetenz, Konfliktfähigkeit und Bindung.

Wenn Kinder und Jugendliche in realen Projekten Rollen übernehmen – auf der Bühne wie hinter den Kulissen -, entsteht etwas, das keine Rede erzeugen kann: Wirksamkeit.

Auffällig ist dabei ein wiederkehrendes Muster: Führung entsteht nicht automatisch bei den Angepassten, sondern oft bei denen, die zuvor als „schwierig“ galten. Nicht, weil sie kontrolliert werden – sondern weil sie Verantwortung tragen dürfen.

Diese Erfahrungen bilden auch die Grundlage für meinen Vortrag über Jugendliche, Bildungskrise und Lernen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik.

Ausbildung, Fachkräfte und Demokratie gehören zusammen

Der oft beklagte Fachkräftemangel ist kein rein wirtschaftliches Problem. Er ist ein Bildungs- und Beziehungsthema. Wer nie erlebt hat, dass erbrachte Leistung Sinn ergibt, wird sich nicht dauerhaft binden – weder an einen Beruf noch an eine Gesellschaft.

Für Wirtschaft und Gesellschaft bedeutet das: Ohne früh erlebte Verantwortung fehlen morgen tragfähige Fachkräfte. Ausbildung braucht deshalb mehr als attraktive Rahmenbedingungen.

Sie braucht junge Menschen, die gelernt haben:

* Verantwortung zu übernehmen
* Konflikte zu lösen
* gemeinsam Ziele zu verfolgen

Und genau diese Kompetenzen entstehen nicht mit 18, sondern viel, viel früher.

Politische Erneuerung beginnt dort, wo Lernen wirkt

Wenn Politik Vertrauen zurückgewinnen will, muss sie weniger über Macht sprechen und mehr über Lernräume. Nicht jede Antwort ist politisch. Manche sind pädagogisch. Und ganz viele sind strukturell.

Demokratie ist noch nie auf Parteitagen entschieden worden, unabhängig von der Farbe der Partei. Sie wird dort gelernt, wo Menschen Verantwortung übernehmen dürfen – früh, freiwillig und wirksam.

Fazit

Mecklenburg-Vorpommern braucht weniger Getöse und mehr belastbare Bildungsrealität.
Weniger Selbstdarstellung und mehr systemisches Lernen. Weniger Versprechen – mehr Praxis, denn politische Zukunft entsteht nicht durch Ego-Projekte, sondern durch konsequente Generationenarbeit.

Diese Fragen und Erfahrungen stehen im Zentrum meiner Vorträge zur Bildung von Kindern und Jugendlichen.

Über die Autorin

Sandra Weckert lebt in Waren (Müritz) und arbeitet als Leadership-Expertin, Speakerin und Projektentwicklerin im Bereich Bildung, Ausbildung und gesellschaftliche Verantwortung.

In ihren Vorträgen, Keynotes und Bildungsprojekten beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Gruppendynamik, systemischem Lernen und der Frage, wie demokratische Haltung praktisch entsteht – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Der Vortrag richtet sich an Akteure aus Bildung, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Der Vortrag wird bundesweit für Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Verbände und politische Akteure angeboten.

Mit dem Projekt „48 Könige“ entwickelt sie Bildungsräume, in denen junge Menschen Verantwortung, Zusammenarbeit und Führung erleben – als Grundlage für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe.