Die europäische Schuldenkrise kann mit den bisher
vereinbarten Instrumenten nicht gebannt werden. Davon ist Thomas
Straubhaar überzeugt, Direktor des Hamburgischen
Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI). „Die Regierungschefs der Euro-Zone
haben wertvolle Zeit verschwendet. Deshalb ist meine Prognose, dass
sie sich sehr bald zum nächsten Krisengipfel treffen müssen“, sagte
er dem Tagesspiegel (Montagausgabe). Die Europäer müssten sich dazu
bekennen, jedes Euro-Land zu retten, egal um welchen Preis. „Dieses
Signal muss man senden“, verlangte der gebürtige Schweizer. „Je
länger man zögert, desto teurer wird es am Ende für den
Steuerzahler.“ Aufgabe der Politik sei es zudem, den Menschen „das
Ende dieses Weges aufzuzeigen, der zu einer Fiskal- und damit
Transferunion wird“. Ein Austritt einzelner Länder sei keine Option.
„Der Euro wurde als Bund für die Ewigkeit geschlossen.“
Straubhaar setzt sich für eine Institution ein, die „darüber
wacht, dass ein Land aus der Krise kommt“. Dies könne ein
europäischer Finanzminister sein, aber auch ein unabhängiger
Expertenrat. „Das Prinzip muss sein: Wer unseriös wirtschaftet,
bekommt zwar Hilfe. Dafür aber muss er einen Teil seiner
Finanzautonomie abgeben“, empfahl der Ökonom. Jeder Spekulation
würde so der Boden entzogen. „Das bedeutet aber nicht, dass alles
zentral in Brüssel entschieden werden muss – das funktioniert im
Föderalismus der Schweiz, Amerikas und Deutschlands ja auch
dezentral. Niemand kommt auf die Idee, Berlin oder das Saarland aus
der Bundesrepublik auszuschließen, nur weil deren Schulden wachsen.“
Pressekontakt:
Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-29021 14013
E-Mail: cvd@tagesspiegel.de
Â