Die deutschen Schulen müssen geschlossen werden / Kommentar von Olaf Kupfer

Italien, Dänemark, Österreich und Irland – Deutschlands
europäisches Umland hat die Pforten seiner Schulen und Kitas längst geschlossen.
Und hat, glaubt man den Virologen bei deren Beurteilung aller Maßnahmen in
Zeiten der großen Krise, den Ernst der Lage verstanden – angesichts der
Menschenmassen, die in Schulen in Vielzahl auf engem Raum zusammenfinden.

Im laufenden Schuljahr gab es an den allgemeinbildenden und beruflichen
NRW-Schulen rund 2,51 Millionen, bundesweit etwa 10,91 Millionen Schülerinnen
und Schüler. Dazu rund 780 000 Lehrerinnen und Lehrer. Imposante Zahlen sind
das, die eine Rolle spielen, wenn wir uns seit Wochen darüber unterhalten, wie
man Infektionsketten unterbrechen kann, um dem exponentiellen Verlauf einer
solchen Ansteckung zu begegnen.

Zahlen, die aber auch davon zeugen, in welcher Dimension wir hier über künftige
Kinderbetreuung reden – durch Eltern, die einer Arbeit nachgehen und dem
“System” also fehlen würden, wenn alternative Home-Office-Modelle nicht passen.
Österreich hat das geregelt, Deutschland müsste nur zum Nachbarn schauen: Dort
ist Kinder-Betreuung in den Schulen in kleiner Zahl für jene Eltern angeboten,
die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung in ihren Berufen tätig
sein sollten: Krankenschwestern und Ärzte, Polizisten oder Busfahrer. Und einige
mehr. Deutschland muss – zentral gesteuert - nachziehen. Je schneller,
desto besser. Kinder, heißt es, sind zwar weniger gefährdet, was Erkrankungen
betrifft, gleichzeitig sind sie aber starke Multiplikatoren – und als solche
Teil der Risikokette. Zumal in solch großer Zahl im täglichen
Aufeinandertreffen.

Es ist also nicht die Zeit, in der wir tagelang in Beraterstäben darüber
sinnieren können, ob das noch geht und jenes eher nicht. Es braucht große
Lösungen, die wirken, weil sie groß sind. Und nicht kleinteilige Reaktionen wie
Schließungen in Niedersachsen ab kommender Woche, Teilschließungen für
Oberstufenschüler in Hessen ab sofort oder jene Maßnahmen von Viersen, wo gerade
eine Grundschule und einige Kitas geschlossen worden sind. Stets als Reaktion
auf Infektionen. Im Polizeijargon würde man sagen: Wir müssen vor die Lage
kommen. Jeder verlorene Tag bedeutet einen höheren Ausschlag der
Infektionskurve. Was sind all die wirtschaftlichen Begleiterscheinungen, wenn es
darum geht, Menschenleben zu retten und Risiken zu minimieren, die wir in ihrer
Breite nicht kennen, wohl aber durch die Übermittlungen aus Italien erahnen
können. In der Not ist in Eile das zu tun, was als klarer Ablaufplan längst in
der Schublade hätte liegen müssen: Katastrophenschutz. Aber darüber sprechen wir
später.

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