Eine Frage der Moral / Kommentar von Joachim Fahrun zu Steuerhinterziehung

Kurzform: In diesem Jahr konnte die Summe der nachträglich
eingetrieben Steuern in Berlin auf 50 Millionen Euro mehr als verdreifacht
werden. Zweifelsohne ein Erfolg für die Finanzbehörden der Stadt. Tatsächlich
ist erstaunlich, wie lange bestimmte Unternehmen unerkannt systematisch Steuern
hinterziehen konnten. Wenn nur jeder 20. Blick in eine Spielhallenkasse keine
Beanstandung nach sich zog, dann lässt das tief in die Steuermoral der
Glücksspielindustrie blicken. Es zeigt sich, dass Berlins Kampf gegen die Flut
der Spielhallen den richtigen Weg aufzeigt, um ein wenig mehr
Steuergerechtigkeit auf allen Ebenen zu erreichen. Das gilt genauso für die
Gastronomie und das Taxigewerbe, die lange nahezu unbehelligt blieben.

Der vollständige Kommentar: Viele Jahre lang galt Steuerhinterziehung als
Kavaliersdelikt, nach dem Motto: Man kann es ja mal versuchen. Das hat sich
gründlich geändert. Spektakuläre Verfahren wie gegen den langjährigen
FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß oder gegen Berlins Kulturstaatssekretär André
Schmitz haben den Blick darauf in der Öffentlichkeit verändert. Wer Steuern
systematisch hinterzieht, schadet dem Gemeinwesen, weil er dem Staat Geld
vorenthält, mit dem öffentliche Aufgaben wie der Schul- oder Straßenneubau oder
der öffentliche Nahverkehr finanziert werden. Besonders anfällig für
Steuerbetrug sind Branchen, in denen mit viel Bargeld hantiert wird: die
Gastronomie, das Glücksspiel oder der Taxibetrieb. Aber auch viele neue digitale
Bereiche leben geradezu davon, sich durch Steuervermeidung zu einem großen Teil
zu finanzieren. Nachdem Berlins Finanzbehörden zunächst die Internethändler ins
Visier ihrer Ermittlungen genommen und Tausende Firmen dazu gebracht haben,
ihre Steuerschuld zu begleichen, wenden sie sich nun traditionellen Branchen zu.
Zu Recht. In diesem Jahr konnte die Summe der nachträglich eingetrieben Steuern
auf 50 Millionen Euro mehr als verdreifacht werden. Zweifelsohne ein Erfolg für
die Finanzbehörden der Stadt. Tatsächlich ist erstaunlich, wie lange bestimmte
Unternehmen unerkannt systematisch Steuern hinterziehen konnten. Wenn nur jeder
20. Blick in eine Spielhallenkasse keine Beanstandung nach sich zog, dann lässt
das tief in die Steuermoral der Glücksspielindustrie blicken. Es zeigt sich,
dass Berlins Kampf gegen die Flut der Spielhallen den richtigen Weg aufzeigt, um
ein wenig mehr Steuergerechtigkeit auf allen Ebenen zu erreichen. Das gilt
genauso für die Gastronomie und das Taxigewerbe, die lange nahezu unbehelligt
blieben.

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