Frankfurter Rundschau: Papst vergibt Chance

Papst Franziskus hatte selbst den Maßstab
gesetzt. Der Antimissbrauchsgipfel im Vatikan dürfe keine
vorhersehbaren Verurteilungen, sondern Konkretes, Greifbares bringen,
forderte er zur Eröffnung. Einige Reuebekenntnisse später forderte
Franziskus in seiner Abschlussrede lediglich, dass jeder Täter der
Justiz überstellt werden müsse. Das ist nur eine
Selbstverständlichkeit. Ebenso, dass die Kirche in der Pflicht ist,
sich um die Missbrauchten zu kümmern. Dagegen hätte endlich
klargestellt werden müssen, dass keiner mehr Priester bleiben darf,
der Minderjährige missbraucht hat. Dass Akten an die Öffentlichkeit
gegeben werden. Und dass die Kirche eine stärkere Gewaltenteilung
einführt, die garantiert, dass auch Bischöfe und Kardinäle konsequent
bestraft werden, die Missbrauch vertuschen. Franziskus hat eine
Chance vertan, um den Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche als
moralische Institution aufzuhalten. Sein Image als progressiver
Reformpapst hat er inzwischen fast verspielt.

Pressekontakt:
Frankfurter Rundschau
Ressort Politik
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