Großaktionär der Gewinner / Kommentar zur Fusion von PSA mit Fiat Chrysler von Gerhard Bläske

Fiat Chrysler (FCA) und Peugeot Citroën (PSA) haben sich rasch
auf die Fusion geeinigt. Das ist aus Sicht der Italiener zunächst positiv. Denn
die General-Motors-Klage gegen FCA wegen der angeblichen Bestechung von
Gewerkschaftlern und eine Milliardennachforderung des italienischen Fiskus
drohten das Projekt in Frage zu stellen. Nun ist der Zusammenschluss unter Dach
und Fach. Good news für FCA also. Denn zu alt ist deren Modellpalette, zu
schwach die Position in Europa und zu groß der Rückstand bei alternativen
Antrieben gegenüber der Konkurrenz. Allein hätte Fiat Chrysler die immensen
Herausforderungen nie stemmen können.

Was der Zusammenschluss für Italien bedeutet, das muss sich erst zeigen. Seit
Jahren ist die Autoindustrie dort im Niedergang. Italien ist nur noch
siebtgrößter Autoproduzent in Europa. In allen FCA-Werken am Stiefel wird
kurzgearbeitet. Der neue Konzern hat zu viele Fabriken in Europa.
Werksschließungen werden deshalb nicht zu vermeiden sein. Es bleibt abzuwarten,
welche Rezepte PSA-Chef Carlos Tavares, der auch den neuen Konzern leitet und
sich mit Sanierungen auskennt, entwickeln wird.

Ein Wermutstropfen ist aus italienischer Sicht die Präsenz des französischen
Staates im neuen Autokonzern. Denn Paris redet bei jeder strategischen
Entscheidung ein gewichtiges Wort mit. Die Modellpaletten der Partner
überschneiden sich, und im Premiumsegment fährt der neue Konzern mit Maserati,
Alfa Romeo und DS den Konkurrenten Jaguar, Daimler, BMW und Audi weit hinterher.
Es bleibt abzuwarten, ob italienische Hoffnungen, es möge endlich investiert
werden bei Maserati und Alfa, Wirklichkeit werden. Denn es gilt auch, die
Schwäche in Asien zu beseitigen, wo der neue Konzern praktisch keine Rolle
spielt. Es sei denn, ein dritter Partner käme noch hinzu.

Klarer Gewinner bei dem Zusammenschluss ist FCA-Großaktionär Exor. Deren Chef
John Elkann, Ururenkel von Fiat-Gründer Giovanni Agnelli senior, steht seit zehn
Jahren an der Spitze der Holding und des FCA-Aufsichtsrats. Durch
Ausgliederungen etwa von Ferrari und CNH Industrial, Verkäufe sowie die positive
Kursentwicklung bescherte er der Familie, die Exor zu 53% kontrolliert,
innerhalb von zehn Jahren einen Gesamtertrag von etwa 1.250%. Im Rahmen der
Fusion kommen eine Sonderdividende von 5,5 Mrd. Euro sowie eine
Dividendenzahlung von 1,1 Mrd. Euro für 2019 für die FCA-Aktionäre dazu.

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