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Kann Super-Mario die Welt retten?

Mario Draghi hat in einer Rede in London gesagt, dass die EZB bereit sei, alles Erforderliche zu tun, um den Euro zu erhalten. Weitere Ankaufprogramme von europäischen Staatsanleihen werden somit wieder wahrscheinlich. Die unkonventionelle Vorgehensweise der EZB kann zwar die Probleme in den Krisenländern nicht lösen. Dazu bedarf es insbesondere fortgesetzter Spar- und Reformbemühungen. Allerdings ist die EZB als einzige Institution derzeit in der Lage, einem Zusammenbruch der Währungsunion wirksam und zeitnah entgegenzutreten. Aber es gilt, was auch schon in den letzten Jahren gegolten hat. Sie kann nur Zeit kaufen – Zeit, die allerdings zuletzt wieder knapp zu werden schien.
Märkte lassen sich von Draghis Worten verzaubern
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi hat am 26. Juli eindrucksvoll bewiesen, welche Macht Worte haben können. In einem Umfeld größter Unsicherheit, als die Frühindikatoren in der Eurozone eine weitere Abwärtsentwicklung andeuteten, die Risikoprämien für die hochverschuldeten Euroländer stark angestiegen waren, genügte ein Satz, um am europäischen Aktienmarkt ein Kursfeuerwerk auszulösen. Der Euro Stoxx 50 stieg um über vier Prozent. Gleichzeitig gingen die Renditen spanischer, italienischer und anderer belasteter Länder deutlich zurück, während deutsche Kapitalmarktzinsen und der Euro spürbar anzogen. Was hat Super-Mario also versprochen?
Bislang nur Andeutungen ….
Draghi musste keine konkreten Versprechungen machen. Den Anlegern reichte der Hinweis, dass die Europäische Zentralbank alles tun würde, was nötig sei, um die Eurozone vor einem Kollaps zu schützen. Was kann er damit gemeint haben?
…. Was kann er gemeint haben?
Konkreteres wird er wahrscheinlich erst am 2. August nach der nächsten Sitzung des EZB-Rats verkünden. Grundsätzlich besitzt die Notenbank ein großes Repertoire von Instrumenten. Gerade jüngst hatte die EZB ganz klassisch die Leitzinsen auf das historisch niedrige Niveau von 0,75 Prozent gesenkt. Ist nun ein weiterer Zinsschritt zu erwarten? Ich denke eher nicht. Der letzte Zinsschritt wurde an den Märkten bereits mit einer gewissen Ernüchterung angenommen. Der Effekt auf die Kapitalmarktrenditen der hochverschuldeten Länder war vernachlässigbar, während Teile der deutschen Zinsstrukturkurve unter die Null-Prozent-Marke rutschten. Davon profitieren zwar alle die sich verschulden wollen oder müssen, insbesondere der öffentliche Sektor. Der deutsche Sparer bezahlt jedoch infolge der wachsenden negativen Realverzinsung bereits heute einen hohen Preis für die Staatsschuldenkrise in der Eurozone. Allerdings spielt die Sorge um Deutschland für die EZB derzeit eher eine geringe Rolle. Die Zurückstufung des Ausblicks für Deutschland durch die Ratingagentur Moodys zeigt jedoch, dass die Belastungen Deutschlands durch die Staatsschuldenkrise derzeit in vielen Bereichen zunehmen.
Keine weitere „dicke Berta“
Im Dezember und im Februar hatte die EZB den Markt mit Dreijahrestendern geflutet. Auch damals gab es ein Kursfeuerwerk an den Aktienmärkten und eine deutliche Entspannung bei den Renditen der Krisenländer. Ein weiterer Langfristtender zur jetzigen Zeit ist gleichwohl nicht zu erwarten. Die Liquiditätsversorgung ist immer noch mehr als üppig.
Keine Hebelung des Rettungsfonds
Welche Waffen hat die EZB dann noch in ihrem Arsenal? In den letzten Tagen hatte der österreichische Notenbankchef Ewald Nowotny sich dahin gehend geäußert, dass innerhalb der EZB über eine Kreditlinie an den Euro-Rettungsfonds diskutiert würde, um die Schlagkraft des Fonds weiter zu erhöhen. Der Widerstand Deutschlands gegen eine solche Vorgehensweise ist allerdings ausgesprochen hoch.
Zurück zu direkten Ankaufprogrammen wahrscheinlich
Deshalb wird die EZB meines Erachtens schon bald auf ein Instrument zurückgreifen, was sie bereits im vergangenen Jahr eingesetzt hat: direkte Ankaufprogramme für Staatsanleihen aus dem Euroraum.
Derzeit keine Inflationsrisiken
Eine Monetarisierung der Staatsverschuldung birgt nach Ansicht traditioneller ökonomischer Denkschulen allerdings ein hohes Risiko für Inflation. Diese Sichtweise deckt sich mit der weitverbreiteten Meinung der deutschen Bevölkerung, während auf den Kapitalmärkten die Angst vor Deflation und Rezession dominiert. Ist der Ankauf von Staatsanleihen im großen Stil durch die EZB aber zwangsläufig der Startschuss für einen spürbaren Anstieg der Inflation? Eher nicht. Die Gefahr einer Inflationierung besteht erst dann, wenn der Transmissionsmechanismus von der Geldpolitik über den Bankensektor in die sogenannte Realwirtschaft reibungslos funktioniert. Dies ist aber auf absehbare Zeit nicht der Fall: Infolge der Vertrauenskrise unter den Banken parken viele Finanzinstitute Geld bei der EZB anstatt sie an andere Banken zu verleihen. Der starke Anstieg der mittlerweile berüchtigten Target2-Salden zeigt, dass der europäische Interbankenmarkt bereits seit geraumer Zeit zum Erliegen gekommen ist und Lebenszeichen kaum zu erkennen sind. Die unkonventionelle Vorgehensweise der EZB kann zwar die Probleme in den Krisenländern nicht lösen. Dazu bedarf es insbesondere fortgesetzter Spar- und Reformbemühungen. Allerdings ist die EZB als einzige Institution derzeit in der Lage, einem Zusammenbruch der Währungsunion wirksam und zeitnah entgegenzutreten. Aber es gilt, was auch schon in den letzten Jahren gegolten hat. Sie kann nur Zeit kaufen – Zeit, die allerdings zuletzt wieder knapp zu werden schien.

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