Keine Gewalt, aber viel Drohung / Kommentar der „Fuldaer Zeitung“ (Donnerstag, 22. Januar 2026) zu Trump/Davos

Keine Gewalt, aber viel Drohung / Kommentar der „Fuldaer Zeitung“ (Donnerstag, 22. Januar 2026) zu Trump/Davos
 

Wenn es noch eines Belegs dafür bedurft hätte, wie dringend Europa sich vom übermächtigen Partner und Schutzgaranten USA emanzipieren muss – der Auftritt des amerikanischen Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat ihn geliefert. Darüber sollte nicht hinwegtäuschen, dass Donald Trump dort nicht die nächste Eskalationsstufe im transatlantischen Verhältnis gezündet hat. Seine Aussage, er werde „keine Gewalt anwenden“, war im positiven Sinne mehr, als manche befürchtet hatten, die bereits die Landung amerikanischer Truppen in Grönland heraufziehen sahen. Eine militärische Aktion eines Nato-Staates gegen einen anderen wird es also – vorerst – nicht geben.

Doch der weitere Verlauf der Rede machte deutlich, wie wenig sich Trump noch dem Geist des Nordatlantikvertrags verpflichtet fühlt, den übrigens ein amerikanischer Diplomat 1949 maßgeblich mitformuliert hatte. Für den US-Präsidenten ist das Bündnis längst zerbrochen, weil die Lasten ungerecht verteilt sind. In seinem charakteristischen Schwarz-Weiß-Denken haben die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte alles gegeben, während Europa kaum etwas beigetragen habe. Nun bitte man – so Trumps Sichtweise – nur um „ein Stück Eis“ als Gegenleistung. Als wäre der Anspruch auf Grönland eine Petitesse.

Unverhüllt folgte darauf die Drohung an die Partner: „Sie können Nein sagen, doch wir werden uns daran erinnern.“ Unter der Voraussetzung, dass Europa in der Grönland-Frage hart bleibt, ist das alles andere als ein Beitrag zur Deeskalation. Trumps Androhung von Strafzöllen nahm er nicht zurück – im Gegenteil. Auch die Unterstützung der USA für die Ukraine scheint für ihn – so ließ sich seine Rede lesen – zunehmend zur Verhandlungsmasse im Ringen um Grönland zu werden. Und auch das meint der Satz „Wir werden uns daran erinnern“: An das Beistandsversprechen der Nato fühlt sich dieser Präsident im Zweifel nicht mehr gebunden. Regeln gelten nur, solange sie den eigenen Interessen nicht im Wege stehen.

Diese wenig ehrenhafte Erkenntnis müssen sich auch die Europäer zu eigen machen. Sie verfügen wirtschaftlich durchaus über Druckmittel, um amerikanischen Drohungen etwas entgegenzusetzen. Dass das EU-Parlament den bereits ausgehandelten Zolldeal auf Eis legt, ist ein erster Schritt.

Dass Trump einlenkt, darf allerdings bezweifelt werden. Die Trump-Show von Davos, in der sich der Präsident eiskalt als Größter unter den Großen inszenierte, der ein kaputtes Land wieder zu blühenden Landschaften geführt habe, überzeugt aus der Distanz kaum. Die Realität, betrachtet aus einigen tausend Meilen Entfernung, sieht anders aus. / Bernd Loskant

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