„KI ersetzt keine Kompetenzen“

„KI ersetzt keine Kompetenzen“
Jens Kullin, Diplom-Ingenieur (DH) für Technische Informatik und zerifizierter Online-Dozent (Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)
 

Eine KI mit Lehrmaterialien und Power-Point-Folien füttern – und schon wenige Prompts später steht das neue Online-Seminar oder E-Learning. Theoretisch lassen sich vorhandene Schulungsinhalte oder Wissen aus dem Netz mithilfe Künstlicher Intelligenz schnell in interaktive Lehrmaterialien verwandeln. Der Trainer für Online-Bildung, Jens Kullin, warnt jedoch davor, digitale Tools zu überschätzen.

Keine Frage, Chat-Bots können all jenen eine Menge Arbeit abnehmen, die Kenntnisse vermitteln wollen. Der Einsatz digitaler Hilfsmittel endet aber dort, wo Kompetenz und Erfahrung gefordert sind. „Eine KI kann in keiner Weise bewerten, ob Lerninhalte und didaktische Methoden zur Zielgruppe passen“, verweist Jens Kullin auf die Grenzen digitaler Tools. Seit mehr als 20 Jahren begleitet der Inhaber von depITpro Moderatoren, Trainer, Coaches und Seminarleiter beim Erstellen interaktiver Live-Online-Veranstaltungen. Das in Lüneburg ansässige Unternehmen unterstützt darüber hinaus beim Aufbau einer Cloud-Infrastruktur für Bildungsanbieter und stellt zum Beispiel virtuelle Klassenzimmer für Live-Online-Formate bereit.

Lerninhalte durch die pädagogische Brille betrachten

Einsteiger, aber auch langjährig in Präsenz Unterrichtende bereitet Jens Kullin in unterschiedlichen Kursen auf die Herausforderungen in der Online-Bildung vor. Geht es um Methodik und Didaktik, rät der Diplom-Ingenieur (DH) für Technische Informatik und zertifizierte Online-Dozent, die pädagogische Brille aufzusetzen und sich zwei Fragen zu stellen: „Was muss ich vermitteln? Und was lass ich die Kursteilnehmer tun? Mit zielgruppengerechten Übungen und Inhalten lassen sich Lernziele nachhaltig erreichen, so etwa im Lehrgespräch oder durch Gruppenarbeiten.“

Eine wesentliche Aufgabe zu Beginn des Seminars ist der Aufbau von Vertrauen. Die dazu erforderliche Glaubwürdigkeit könne aber nur durch Kompetenz entstehen: „Die KI ersetzt keine Kompetenzen. Die Theorie bringt den Lernenden nichts, wenn sie nicht auf Erfahrungswerten basiert“, betont Kullin.

KI das machen lassen, was sie kann

Im Vorfeld der Seminargestaltung könne die KI durchaus wertvolle Dienste leisten, so etwa bei der Recherche oder beim Zusammenfassen langer Texte. Das kritische Hinterfragen der Ergebnisse bleibt jedoch eine rein menschliche Domäne. Gerade an dieser Stelle sind Erfahrung und Expertenwissen gefragt. Jens Kullin: „Nur wer sich in seinem Fachgebiet auskennt, kann auch objektiv falsche, aber überzeugend wirkende Aussagen aufspüren und als solche entlarven. Ein Profi lässt sich nicht von KI-Halluzinationen auf die falsche Fährte locken.“

Auch die didaktische Strategie der Online-Veranstaltung sowie die Auswahl geeigneter Bilder und Grafiken für die Präsentation gehören in die Hand eines erfahrenen Moderators oder Trainers. Der KI-Einsatz bewährt sich nach Einschätzung von Kullin als Ideengeber – vorausgesetzt, die gelieferten Impulse werden auf ihre Tauglichkeit geprüft. Sie müssen sich beispielsweise sinnvoll in das Seminarkonzept einbinden lassen und für die Zielgruppe geeignet sein. „Nicht alles, was machbar ist, führt tatsächlich zum Lernerfolg“, so der Trainingsmanager, der mehr als 1.000 Partner, Mitarbeiter und Kunden weltweit online und vor Ort geschult hat.

KI als Trainer-Ersatz ungeeignet

Eine Absage erteilt Jens Kullin Chatbots als Alternative zu spezialisierten Seminaren. „Eine KI ist ein rein mathematisches Modell, das mit Wahrscheinlichkeiten operiert. Sie eignet sich nicht als Ersatz-Trainer. Für den Kompetenzaufbau braucht es einen erfahrenen Coach, der den individuellen Förderbedarf erkennt und genau dort ansetzt.“