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Kölner Stadt-Anzeiger: Katholischer Religionssoziologe Ebertz kritisiert Heiligsprechung von Päpsten scharf – „Nochmalige Steigerung des Papstkultes“

Köln. Der Religionssoziologe Michael N. Ebertz hat
die Heiligsprechung der beiden Päpste Johannes XXIII. und Johannes
Paul II. scharf kritisiert. „Wenn die Päpste anfangen, einander durch
die Bank heilig zu sprechen, dann ist das die nochmalige Steigerung
einer Selbstsakralisierung der Institution Kirche und des Papstkults
durch einen Kult um die Person der Päpste“, sagte der Freiburger
Wissenschaftler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Freitag-Ausgabe). Eine
Institution, deren Spitzenpersonal so um sich selbst kreise, wirke
leicht unglaubwürdig. Papst Franziskus, der am Sonntag seine beiden
Vorgänger heiligspricht, sei „auf einen Zug aufgesprungen, der lange
vor seinem Amtsantritt Fahrt aufgenommen hat und den er gar nicht
mehr zum Halten bringen konnte“, so Ebertz weiter. Er bezweifelte
aber, dass der amtierende Papst den bisherigen Kurs beibehalte. „Ich
glaube, das ist nicht sein Ding.“ Die Heiligsprechungen waren unter
Franziskus– Vorgänger Benedikt XVI. vorangetrieben worden.

Religionssoziologisch erfülle die Praxis der Heiligsprechungen
mehrere Zwecke. „Mit der gesteigerten Zahl habe Johannes Paul II. die
Heiligenverehrung als etwas typisch Katholisches revitalisieren und
damit die Glaubenspraxis weltweit mobilisieren wollen.
„Sakralisierung statt Säkularisierung“, so Ebertz. Überdies
funktionierten Heiligsprechungen als Bündnis der Kirchenleitung nicht
mit den Intellektuellen, sondern mit den einfachen Gläubigen. Und
schließlich trügen sie zur Stabilisierung des Papsttums bei,
erläuterte der Experte.

Pressekontakt:
Kölner Stadt-Anzeiger
Newsdesk
Telefon: 0221 224 3149

Weitere Informationen unter:
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