Kommentar zum Kleingeld

Manche Menschen tragen ganz offensichtlich schwer daran, zu
viel Geld zu haben. Sie stören sich an den Ein- und Zwei-Cent-Münzen, die ihre
Portemonnaies ausbeulen oder in der Ladenkasse zu viel Platz beanspruchen.
Selbst die Banken wollen das Kleingeld nicht, verlangen für den Umtausch
größerer Mengen nicht unerhebliche Gebühren.

Andererseits gibt es immer noch Menschen, die den Cent erst ein oder zwei Mal
umdrehen, bevor sie ihn ausgeben. Menschen, die vielleicht noch nicht einmal
eine Bankkarte besitzen – oder besitzen wollen. Und erst recht keine Handy-App,
mit deren Hilfe sie auch Kleinbeträge ohne große Umstände überweisen können.

Eine Gesellschaft muss beiden Gruppen Platz lassen – der mit dem digitalen und
der mit dem physischen Geld. Niemand hindert einen Ladenbesitzer daran, den
Rechnungsbetrag abzurunden. Und niemand die Privatperson, als Kunde ihn wieder
aufzurunden oder den Cent-Betrag in die neben der Kasse stehende Box für das
Tierheim oder eine andere Einrichtung zu werfen, die so ihre gesellschaftlich
wertvolle Arbeit mitfinanzieren kann.

Die Entscheidung des belgischen Parlaments, allen Geschäften vorzuschreiben,
dass sie Beträge auf fünf Cent auf- oder abrunden, überschreitet eine Grenze.
Sie beschneidet die Freiheit der Bürger, selbst über ihren Umgang mit Geld zu
entscheiden. Nicht mehr und nicht weniger.

Die Zahl derer, die glauben, Bargeld sei überflüssig und die überall nur noch
ihre Bank- oder Kreditkarte zücken, wächst sogar in Deutschland. Vielleicht ist
der Trend nicht aufzuhalten. Doch er darf nicht zur Diktatur werden.

Parallel zum Münzstreit haben sich die obersten Währungshüter in Europa darauf
festgelegt, bis auf Weiteres große Geldanlagen mit einem Negativzins zu belegen.
Beide Entwicklungen, die Bestrafung der Anleger und die Zurückweisung kleiner
Münzen, tragen in unterschiedlicher Weise dazu bei, dass das Ansehen des Geldes
schwindet.

Das könnte man aus religiöser und ethischer Sicht sogar begrüßen. Es gibt
Wichtigeres als den Mammon. Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass dadurch
auch das Sparen an Wertschätzung verliert. Dieses aber ist notwendig, damit ein
erfülltes Berufsleben nicht immer öfter in Altersarmut endet. Zudem kann der
sorglosere Umgang mit dem Geld auf mittlere Sicht dazu führen, dass sich mehr
Menschen überschulden. Das könnte am Ende sogar das soziale Gefüge
zusammenbrechen lassen – vor allem dann, wenn die Kreditzinsen irgendwann doch
wieder steigen werden.

Pressekontakt:

Westfalen-Blatt
Bernhard Hertlein
Telefon: 0521 585-261
wb@westfalen-blatt.de

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