Märkische Oderzeitung: Kommentarauszug zum Friedensnobelpreis

Angesichts der augenblicklichen Verfassung
der EU ist die Entscheidung des Nobel-Komitees nicht nur als
Würdigung einer historischen Leistung zu verstehen, sondern zugleich
von höchster Aktualität. Die Entscheidung kommt vielleicht
überraschend, sie lässt sich aber gut vertreten. Denn selbst, wer
sich mit Grausen wendet, möge doch kurz überlegen, was passierte,
wenn die EU auseinanderfiele. Es würde, man möchte lieber nicht
darauf wetten, politisch kälter werden in Europa – und noch viel
chaotischer. Das Kohl–sche Pathos, dass das Gelingen Europas eine
Frage von Krieg und Frieden sei, mag sich abgenutzt haben und ein
Krieg der alten „Erzfeinde“ nicht mehr denkbar sein. Unterhalb dessen
ist freilich vieles möglich, von dem wir noch gar keine Vorstellung
haben. Trotz allem hat die EU über die Jahrzehnte einen gewaltigen
Sog entwickelt: als Versprechen auf Wohlstand sowie politische
Stabilität in Demokratie und Freiheit.

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