Marktstudie zu Künstlicher Intelligenz: Banken ohne KI-Strategie

Finanzinstitute haben die Bedeutung von KI für ihren
geschäftlichen Erfolg erkannt. Allerdings befindet sich der Großteil noch in der
Vorbereitungs- oder Testphase und kann auch keine stimmige Strategie vorweisen.
Darauf weist die Marktstudie “Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche” der
Unternehmensberatung Eurogroup Consulting (EGC) hin, an der über 130
Führungskräfte deutscher Finanzinstitute teilgenommen haben. Die Studie wurde in
Kooperation mit der htw saar, der Hochschule für Technik und Wirtschaft des
Saarlandes, durchgeführt. Laut der befragten Vorstände, Bereichsleiter und
Fachexperten haben sich nahezu alle Finanzinstitute bereits mit dem Thema
Künstliche Intelligenz beschäftigt. Über die Hälfte gibt an, dass ihr
Unternehmen zumindest bis zur Entwicklung von Use Cases vorgedrungen ist bzw.
teilweise einzelne KI-Lösungen im Einsatz hat. Die Daten zeigen jedoch auch,
dass mit 22 Prozent bislang nur wenige Institute KI bereits im Regelbetrieb
anwenden.

Im Detail befinden sich zwölf Prozent der Unternehmen in der Phase des
Know-how-Aufbaus, 22 Prozent stellen Überlegungen zu konkreten
Einsatzmöglichkeiten von KI-Technologien an, 18 Prozent haben Use Cases
entwickelt und 24 Prozent testen derzeit Prototypen. Zwölf Prozent haben bereits
bis zu drei KI-Anwendungen im Einsatz, bei zehn Prozent sind es mehr als drei.
Im Vergleich der unterschiedlichen Institutsformen zeigt sich: Die Mehrheit der
befragten Direktbanken und Kapitalverwaltungsgesellschaften gibt an, bereits
mindestens eine KI-Lösung eingeführt zu haben, gefolgt von Geschäftsbanken und
Sparkassen. Genossenschafts- und Landesbanken befinden sich neben FinTechs,
Dienstleistern und Versicherern im Mittelfeld. Förder- und Privatbanken bilden
das Schlusslicht.

Bedeutung von KI erkannt

“Auch wenn es hier noch große Unterschiede gibt und die Branche insgesamt bei
der Einführung von KI noch am Anfang steht, sind die Finanzinstitute für das
Thema sensibilisiert – und das zurecht. So lösen die neuen Technologien zwar
nicht alle Probleme der Banken, sie sind aber dennoch erfolgskritisch”,
kommentiert Christian Leurs, Partner bei EGC und Experte für die Digitalisierung
in der Finanzbranche. So könne KI die Fehlerquote senken und Reaktionszeiten auf
Kundenanfragen deutlich verkürzen. Mitarbeiter würden von lästigen
Routinearbeiten befreit und erhielten Freiräume für wertschöpfende Tätigkeiten.
Die Unternehmen selbst sehen mit rund 60 Prozent das größte Potenzial für KI im
Backoffice, danach kommen die Bereiche Produkte (50 Prozent) und Kunden (47
Prozent). Chatbots sind mit 38 Prozent die am häufigsten verwendete KI-Lösung
bei den Finanzdienstleistern, gefolgt von Machine Learning (32 Prozent).
Cognitive RPA (Robotic Process Automation mit einer selbstlernenden Komponente)
und Deep Learning/Neuronale Netze ergänzen die Einsätze der KI-Technologien.

Was den Umsetzungsgrad solch innovativer Anwendungen im Vergleich zu anderen
Unternehmen betrifft, schätzt Branchenexperte Leurs die Angaben der
Studienteilnehmer allerdings als zu optimistisch ein. So geben drei Viertel der
Befragten an, mindestens zur frühen Mehrheit zu gehören, knapp 30 Prozent davon
bezeichnen sich als Frühanwender oder gar Innovatoren. Lediglich ein Viertel
zählt sich zur späten Mehrheit bzw. zu den Nachzüglern. Ebenso lässt sich aus
der Marktstudie ableiten, dass die Befragten an dieser Stelle zu
Selbstüberschätzung neigen: die gerade erst ihr KI-Know-how aufbauen, schätzen
sich oftmals innovativer ein als diejenigen, die bereits mehrere KI-Prozesse
eingeführt haben.

KI-Strategie? Fehlanzeige!

Dringender Nachholbedarf zeigt sich vor allem bei der Einführung einer
KI-Governance – der Verankerung entsprechender Prozesse, Methoden und Verfahren
in der Organisation. 62 Prozent der Befragten geben an, diese nicht in
angemessener Form einzuführen, 28 Prozent haben erste Standards definiert und
nur zehn Prozent arbeiten bereits danach bzw. sind dabei, die Prozesse zu
optimieren. Darüber hinaus verfügt kein einziges der beteiligten Institute über
eine definierte und vollständig umgesetzte KI-Strategie. 32 Prozent geben an,
dass KI nicht in der Unternehmensstrategie verankert ist. 53 Prozent erklären,
dass die Strategie derzeit ausgearbeitet bzw. die Umsetzung geplant ist. Eine
Minderheit von 15 Prozent gibt zu Protokoll, dass die KI-Strategie immerhin
teilweise umgesetzt ist. Dabei fällt laut Prof. Dr. Markus Thomas Münter,
Professor für Volkswirtschaftslehre an der htw saar, auf: “Auch die Institute,
die KI bereits vereinzelt im Einsatz haben, verfolgen weder eine konsistente
Strategie, noch haben sie es geschafft, robuste und stabile Prozesse, Verfahren
und Methoden in der Organisation zu verankern. Das bedeutet, dass ein
effizienter Einsatz und eine Skalierung von KI-Lösungen im größeren Umfang
absehbar nicht zu realisieren ist.”

Wichtige Ressourcen fehlen

Eine weitere wichtige Erkenntnis aus der Marktstudie: Bei der Einführung von KI
werden die Finanzinstitute sehr bald an ihr Limit kommen. Dabei sehen sie selbst
als größte Herausforderung die Ressourcenverfügbarkeit, die von 54 Prozent als
besonders drängender Engpass genannt wird, gefolgt von mangelndem KI-Know-how
und der Datenqualität (jeweils 42 Prozent). Das bedeutet: Investitionen in
interne und externe Ressourcen sind dringend nötig. Dessen sind sich auch die
befragten Unternehmen bewusst und planen für das Jahr 2020 im Median zwei bis
fünf Prozent ihres IT- und Projektbudgets für KI-Investitionen ein. Gleichzeitig
bestehen hohe Ansprüche an die Effizienz von KI. Sechs bis zwölf Prozent Gewinn-
oder Kosteneinsparungspotenzial muss KI für die Mehrheit der Befragten
erreichen, damit eine positive Umsetzungsentscheidung erfolgt. Zu diesem
Ergebnis erklärt Münter: “Dieses Potenzial besteht durchaus. Für die Unternehmen
dürfte es jedoch – auch angesichts ihres derzeitigen Reifegrades in Bezug auf KI
– schwierig sein, derart treffsichere Prognosen zu erstellen und die eigenen
Ziele zu erreichen.”

An der EGC-Marktstudie “Künstliche Intelligenz in der Finanzbranche” haben über
130 Führungskräfte aus deutschen Finanzinstituten teilgenommen. Die
Online-Umfrage wurde im Juni/Juli 2019 durchgeführt.

EUROGROUP CONSULTING mit Sitz in Frankfurt am Main und Wien ist eine unabhängige
Top-Management-Beratungsgesellschaft mit dem Branchenfokus
Finanzdienstleistungen. Das Unternehmen zählt zu den führenden Beratungen für
Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften im deutschsprachigen Raum. Die
Leistungen reichen von der Strategieentwicklung bis zur Umsetzungsbegleitung und
umfassen Business, IT und Organisation. EUROGROUP CONSULTING ist Teil des
Netzwerks nextcontinent, das mit rund 5.000 Beratern in 37 Ländern vertreten
ist.

Die htw saar in Saarbrücken ist eine forschungsstarke anwendungsorientierte
Hochschule mit 6.000 Studierenden an vier Fakultäten. Markus Thomas Münter ist
seit 2014 Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie, an
der htw saar. Schwerpunkte seiner Forschung sind das Zusammenspiel von
disruptiven Innovationen, Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und endogenen
Marktstrukturen. Daneben unterstützt er Unternehmen, deren Fähigkeiten
nachhaltig und dauerhaft zu verbessern – aktuell insbesondere in den Themen
Innovationsstrategie, Digitalisierung und organisatorische Neuaufstellung.

Pressekontakt:
Karim Schäfer
Main-Pressesprecher
Tel.: + 49 0173 84 121 83
Mail: schaefer@main-pressesprecher.de

Weiteres Material: https://www.presseportal.de/pm/64523/4463691
OTS: EGC Eurogroup Consulting AG

Original-Content von: EGC Eurogroup Consulting AG, übermittelt durch news aktuell

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