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Mittelbayerische Zeitung: Leitartikel „Der Verharmloser“ von Thomas Spang zu Donald Trump

Der Massenmörder von Christchurch ist nicht der
erste Terrorist, der sich durch den „America-First“-Präsidenten
inspiriert fühlt. In seinem wirren Manifest nennt er Trump „ein
Symbol der erneuerten weißen Identität“ und faselt von „einer
Invasion in unserem Land“ durch Migranten. Wie zuvor schon der Führer
der „alternativen“ Rechten in den USA, Richard Spencer, Trump nach
den Vorfällen von Charlottesville gelobt hatte. „Ich bin wirklich
stolz auf ihn.“ Die meisten Amerikaner empfinden anders. Sie fühlen
sich peinlich berührt von einem Präsidenten, der nicht für die
Anschläge verantwortlich ist, aber den Boden dafür bestellt hat. Und
dann zur Seite schaut, wenn die Saat der rechten Gewalt aufgeht. So
auch nach dem Massaker an den Muslimen von Christchurch. Auf die
Frage eines Reporters, ob er besorgt sei über den weltweiten Anstieg
von Gewalttaten, die Terroristen im Namen eines „weißen
Nationalismus“ ausüben, spielt Trump die Gefahr herunter. Das könne
er „wirklich nicht sehen“. Es handle sich um eine winzige Gruppe von
Leuten, die sehr ernste Probleme hätten. Die Fakten sprechen eine
andere, erschütternde Sprache. Demnach nahm die Zahl der weißen
Hassgruppen in Trumps Amerika weiter zu und erreichte laut „Southern
Poverty Law Center“ mit 1020 Organisationen einen Höchststand. Weiße
Rassisten haben 2018 in den USA und Kanada mindestens 40 Menschen auf
dem Gewissen. Die Statistik der Anti-Defamation League spricht
ebenfalls eine deutliche Sprache. Die terroristische Gefahr rührt
nicht von Links oder muslimischen Extremisten, sondern von weißen
Terroristen. 70 Prozent aller 427 Anschlags-Opfer extremistischer
Gewalt in den vergangenen zehn Jahren gehen auf das Konto rechter
Täter. Statt sich nach Christchurch im Kampf gegen den Terrorismus
weißer Extremisten an die Spitze der zivilisierten Welt zu stellen,
gießt der amerikanische Präsident Öl ins Feuer. Das Weiße Haus
verstärkte seine hetzerische PR gegen die angebliche Invasion aus dem
Süden mit grobkörnigen Bildern einer Überwachungskamera, die zeigt,
wie Familien über die Grenze kommen. Darüber steht die Schlagzeile
„Das ist ein nationaler Notstand“. Eine lachhafte Behauptung, die der
Kongress mit Stimmen der Republikaner zurückgewiesen hat. Als ob er
dem Massenmörder von Christchurch helfen wollte, dessen erklärtes
Ziel zu erreichen, in den USA einen Bürgerkrieg anzuzetteln, drohte
Trump seinen Kritikern auf der rechten Agitprop-Platform „Breitbart“
mit Gewalt. Er habe die Unterstützung des Militärs, der Polizei und
der „Bikers for Trump“, verkündete der Präsident. Das seien alles
harte Kerle, die „ab einem bestimmten Punkt“ auch anders könnten. Das
wäre dann gewiss „sehr schlecht“ für seine Gegner. Mit Aussagen wie
diesen trägt Trump selber dazu bei, die Grenzen zwischen seinem
bigotten „Amerika-Zuerst“-Nationalismus, weißem Nationalismus und
Rechtsextremismus verschwimmen zu lassen. Die gemeinsame Schnittmenge
ist der absurde Glaube an eine irgendwie „reine“ Gesellschaft, die
durch „Eindringlinge“ von Außen bedroht werde. Seien es Einwanderer,
Flüchtlinge, Andersgläubige, Menschen mit anderer Hautfarbe oder
Sexualität. Der US-Präsident bagatellisiert die Gefahr, die von der
Globalisierung rassistischer Gewalt ausgeht, weil er auf dem rechten
Auge blind ist. Dabei muss der zwischen Christchurch in Neuseeland
und Charlottesville in den USA ausgeübte Terror ein Weckruf sein, die
Kräfte im Kampf gegen weißen Extremismus international zu bündeln.
Leider ist Trump eher ein Teil des Problems als der Lösung.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

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