
Es soll ja immer noch Leute geben, denen es schwerfällt, die Inhaftierung des venezolanischen Staatschefs Maduro als das zu bezeichnen, was es ist: eine völkerrechtswidrige Entführung. Kanzler Merz findet die Sache zu komplex; ein SPD-Abgeordneter wagte immerhin ganz persönlich die Vermutung, dass es nicht rechtlich einwandfrei zugegangen sei. Nun ja.
Die gegen Maduro in Gang gesetzte US-Propaganda hat ganze Arbeit geleistet. Hängen geblieben sind die Stichworte terroristische Organisation und Drogenkartell, dessen Chef Maduro angeblich war. Da fällt es nur Insidern auf, dass die vom US-Justizministerium erhobene Anklage gegen Maduro nach dessen Entführung deutlich entschärft wurde. Jetzt, da er und seine Frau in den USA hinter Schloss und Riegel sitzen, ist in der überarbeiteten Klageschrift vom Kartell und Maduros Führerschaft (angeblich der Hauptgrund für das Kidnapping) kaum noch die Rede; anders als in der ersten Version, die von Beobachtern als „Hollywood-Version“ beschrieben wird. Stattdessen geht es nun viel schwammiger um ein korruptes Patronagesystem, also etwas, das in anderer Ausprägung vielerorts – nicht zuletzt im Trump-Regime – zu finden ist.
Dennoch darf man damit rechnen, dass deutsche Politiker ihre jämmerliche Leisetreterei gegenüber den USA fortsetzen und den US-Piratenakt faktisch rechtfertigen. Dass es dabei nicht um Demokratie geht, über die man in und mit Venezuela tatsächlich reden müsste, ist klar. Die USA, zumal unter Trump, haben sich noch mit jedem Diktator und Schurken arrangiert, der ihnen nützlich ist. Wenn es so weitergeht, macht sich das Trump-Regime bei der nächsten kriminellen Aktion nicht mal mehr die Mühe, einen Vorwand zu konstruieren.
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