„nd.DieWoche“: Apropos Gruppentherapie – Kommentar zur Klausur der schwarz-roten Koalition

„nd.DieWoche“: Apropos Gruppentherapie – Kommentar zur Klausur der schwarz-roten Koalition
 

Im Vorfeld der Fraktionsspitzen-Klausur von Union und SPD in Würzburg überboten sich die Medien im Psychologisieren von Politik: Es gehe um Teambuilding, sogar von „Gruppentherapie“ ist zu lesen. Eine solche falsche Verwendung von psychologischen Fachbegriffen nennt man „Therapie-Sprech“ – das Phänomen ist mindestens so verbreitet wie problematisch. Aber eben auch: verlockend.

Daher hier – ganz nonchalant – eine alternative psychologische Analyse des Koalitionstreffens. Besonders beliebt im „Therapie-Sprech“ ist die Vokabel „Gaslighting“: eine Form von psychischer Manipulation, mit der Betroffene gezielt verunsichert und in ihrem Realitäts- und Selbstbewusstsein allmählich beeinträchtigt werden, wie es auf Wikipedia heißt.

Das beschreibt, wie die Union derzeit mit der SPD umgeht: Zuerst sabotieren CDU und CSU absichtlich eine Reihe wichtiger Regierungsvorhaben – nur um anschließend Bedauern zu heucheln, weil das gegenseitige Vertrauen abhandengekommen sei. Man denke an das zwischenzeitliche Veto von CDU-Außenminister Wadephul zum Wehrdienst-Gesetz aus dem SPD-geführten Verteidigungsministerium, weil ihm dieses nicht verpflichtend genug ist. Oder an die Kampagne der Union gegen die SPD-Verfassungsgerichtskandidatin Frauke Brosius-Gersdorf.

Wenn Merz nun vorab ankündigt, es der SPD „bewusst nicht leicht“ machen zu wollen, weil der Sozialstaat angeblich nicht mehr finanzierbar sei – und damit den Markenkern der SPD angreift -, bestätigt das nur: In Würzburg geht es der Union nicht um Versöhnung, sondern um Kontrolle über ihren Juniorpartner.

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