Neue OZ: Kommentar zu Berthold Beitz/Krupp

Krupps Glücksgriff

Die Liste seiner Auszeichnungen sucht ihresgleichen. Für Berthold
Beitz dürfte der Ehrentitel “Gerechter unter den Völkern” der
israelischen Gedenkstätte Yad Vashem der wichtigste gewesen sein.
Denn der jetzt verstorbene greise ThyssenKrupp-Lenker gehörte zu
einer Generation deutscher Wirtschaftskapitäne, die sich in jungen
Jahren zum großen Teil mit den Nationalsozialisten arrangiert hatten.

Der von den Alliierten als Kriegsverbrecher verurteilte und später
begnadigte Alfred Krupp hat mit der Ernennung von Berthold Beitz zum
Generalbevollmächtigten einen Glücksgriff getan. Damit gewann der bis
dahin vor allem im Ausland als Waffenschmiede betrachtete
Stahlkonzern seine Reputation zurück. Vor allem aber erwies sich
Beitz als Unternehmenslenker, der gesellschaftliche Verantwortung
übernommen hatte, lange bevor dieser Begriff ins Standardvokabular
für Manager gelangte.

Gewiss: Um das Wohl der eigenen Arbeiter und des näheren Umfeldes
ihres Unternehmens war es den Krupps immer schon gegangen. Aber Beitz
handelte weit darüber hinaus – zum Nutzen der Allgemeinheit und nicht
nur der deutschen Wirtschaft.

Sein Pflichtbewusstsein hat ihn als fast 100-Jährigen eine
wichtige Rolle im heutigen ThyssenKrupp-Konzern spielen lassen.
Dessen Krise hat Beitz also mit zu verantworten. Gefeiert haben ihn
die Aktionäre auf der letzten Hauptversammlung trotzdem. Sie werden
gewusst haben, warum.

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

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