Neue OZ: Kommentar zu Konjunktur

Welche Krise?

Optimismus erster Güte spricht aus der Einschätzung der aktuellen
wirtschaftlichen Lage durch die Kanzlerin, den
Arbeitgeberpräsidenten, den Chef der Bundesagentur für Arbeit und
diverse Manager.

„Krise, welche Krise?“, fragen sie und sprühen vor Optimismus. Ist
diese Beurteilung richtig? Niemand weiß es. Schwarzmalerei ist sicher
nicht angesagt, aber die weltweiten Warnzeichen dürfen nicht außer
Acht gelassen werden. Mit Blick auf Deutschland heißt das: Volle
Auftragsbücher sind schön, aber ausgelieferte Werkstücke bleiben etwa
in der Maschinenbaubranche inzwischen vielerorts ohne Nachfolgeorder.
Die Auslastung der Betriebe ist im Moment noch sehr gut, Überstunden
sind an der Tagesordnung. Das gilt zum Beispiel auch für die
inländischen Automobilbauer. Sie ließen in diesem Jahr oftmals die
Werksferien Ferien sein und arbeiteten durch – und sei es mit
angelernten Studenten, die die gute Bezahlung gerne mitnahmen.

Weltweit ungelöste Finanzprobleme, in Europa wie in den USA,
lassen den Ausblick in die wirtschaftliche Zukunft aber nicht gerade
rosig erscheinen. Wenn die Staaten schon nicht mehr wissen, wie sie
ihre dringendsten Ausgaben etwa für Soziales und Gesundheit bezahlen
sollen, haben sie auch kein Geld, neue Schulen oder Kindergärten zu
finanzieren, die Mitarbeiter dort zu entlohnen oder auch
Infrastrukturprojekte wie den Ausbau der Verkehrsnetze anzukurbeln.
All diese Ausgaben ziehen Beschäftigung für Millionen nach sich,
kurbeln produzierendes Gewerbe und Dienstleistungen an.

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