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Neue Westfälische (Bielefeld): Die Deutschen interessiert die NSA-Affäre kaum Gelebte Gleichgültigkeit MATTHIAS BUNGEROTH

Die Anschuldigungen, die im Raum stehen, sind
gewaltig. Sie betreffen die wichtigsten Freiheits- und
Datenschutzrechte eines jeden Bürgers. Eine nahezu lückenlose
Kontrolle von E-Mails, Telefonaten, Kurznachrichten (SMS) per Telefon
sowie der Kommunikation von Millionen Menschen in den sozialen
Netzwerken des Internets soll der US-amerikanische Geheimdienst
National Security Agency (NSA) in Deutschland und zahlreichen anderen
befreundeten Staaten seit vielen Jahren systematisch durchführen. Im
Dienste der eigenen und internationalen Sicherheit, wie es heißt.
Dieser Skandal, den Edward Snowden, Ex-NSA-Agent, aufdeckte, füllt
seit Wochen die Titelblätter aller Zeitungen, TV-Sender bringen
Hintergrundberichte und Diskussionsrunden mit Experten, um Licht in
das Dunkel dieser größten Spionageaffäre seit dem Zweiten Weltkrieg
zu bringen. Mit wenig Erfolg. Denn die Quellen, die wirklich Licht
ins Dunkel bringen könnten, tröpfeln nur wie ein Rinnsal dahin. Auch
darüber, inwieweit die Bundesregierung ins Spionageprogramm namens
Prism eingeweiht war, erfährt man so gut wie nichts. Die Kanzlerin
ergeht sich in Allgemeinplätzen wie „Deutschland ist kein
Überwachungsstaat“, den sicher jeder Bürger unterschreiben könnte.
Doch wie stichhaltig sind all diese Bekenntnisse? Wie viel Glauben
kann man Kanzlerin und Ministern schenken, die angeblich von allem
nichts wussten? Und dass, obwohl, um nur ein Beispiel zu nennen,
gerade ein neues Abhörzentrum der NSA in Wiesbaden gebaut wird? Wer
die aktuelle Stimmungslage der Deutschen betrachtet, kann den
Eindruck gewinnen, dass die Diskussion hierüber vornehmlich in den
Medien und unter Fachleuten geführt wird. Die Mehrheit der
wahlmündigen Bürger verfolgt das Thema aber eher distanziert. 55
Prozent der Deutschen haben keine Befürchtung, dass ihre
elektronische Kommunikation überwacht wird, so eine Erhebung des
Bielefelder Meinungsforschungsinstituts Emnid für NTV. Eine Sicht der
Dinge, die bei vielen IT- und Geheimdienstexperten entweder
Kopfschütteln oder Schmunzeln auslösen wird. Obwohl das Tempo der
Aufklärungsversuche seitens der Berliner Koalition auf Kritik stößt,
hat sich in Sachen Prism eher eine gelebte Gleichgültigkeit
breitgemacht. Hierfür mag es zwei Hauptgründe geben. Zum einen wird
die Mehrheit der Bundesbürger, sicher zu Recht, subjektiv der Meinung
sein, man habe in seinem beruflichen wie privaten Leben nichts zu
verbergen. Also könne die Überwachung durch Geheimdienste auch keinen
Schaden für sie bedeuten. Zum andern ist das Thema IT-Datenschutz
noch nicht in der Lebenswirklichkeit vieler angekommen. Dass via
Internet eine lückenlose Blaupause ganzer Biografien mit all ihren
Verästelungen in Familie, Freundeskreis und Berufsfeldern möglich
ist, ist eine surreale Vorstellung, deren Tragweite noch jenseits der
Vorstellungskraft der meisten Bürger liegt. Doch das wird sich
ändern.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Weitere Informationen unter:
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