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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Jobverluste durch Roboter Digital-Horror Hannes Koch, Berlin

Entspannen Sie sich. Sie werden Ihren
Arbeitsplatz mit großer Wahrscheinlichkeit auch in fünf Jahren noch
haben. Kein Roboter oder Computerprogramm wird Sie überflüssig
machen. Ja, es wird Veränderungen geben, Sie werden umlernen,
dazulernen. Aber es passiert nicht die Katastrophe, die der Verband
Bitkom, dem Digital-Firmen angehören, und die Frankfurter Allgemeine
Zeitung gerade an die Wand malen. Bitkom hat 505 bundesdeutsche
Unternehmen mit über 20 Beschäftigten befragt. 25 Prozent davon –
das sind 126 Firmen – betrachten ihre Existenz infolge der
Digitalisierung als „gefährdet“. Das hat Bitkom auf die gesamte
deutsche Wirtschaft „hochgerechnet“. Ergebnis: 3,4 Millionen Stellen
seien bedroht. Die FAZ fabuliert dann: „Digitalisierung zerstört 3,4
Millionen Stellen“. Und zwar bis 2022. Diese Zeitangabe hat Bitkom
nicht vorgenommen. Furcht mutiert zu falschem Faktum. Man kann hier
sehr schön den Weg von persönlicher Einschätzung über Statistik zu
Quatsch studieren. Sicher, die Welt dreht sich weiter. 1970 bot das
bundesdeutsche Verarbeitende Gewerbe knapp zehn Millionen Menschen
Arbeit. 2006 waren es noch rund sechs Millionen Stellen. Dazwischen
lag eine lange Strecke der Produktivitätssteigerung. Durch mehr
Einsatz von Kapital und Technik stellen weniger Arbeitnehmer mehr
Güter her. Ein ähnlicher Prozess wiederholt sich im Zuge der
Digitalisierung – möglicherweise schneller. Aber bis selbstfahrende
Lkw alle Lastwagenfahrer arbeitslos gemacht haben, dürften noch mehr
Jahre ins Land gehen als vier. Wie ungenau das Geschäft mit der
Zukunft notwendigerweise ist, zeigt die Spannbreite der Schätzungen.
Die einen sagen, 80 Prozent aller heutigen Jobs würden in den
nächsten Jahrzehnten verschwinden, vorsichtige Ökonomen begnügen
sich mit zehn Prozent. Nicht einkalkuliert ist dabei, dass die
Digitalisierung auch jede Menge neue Arbeitsplätze entstehen lässt –
man denke nur den Boom der Paket- und Lieferdienste. Richtig bleibt
trotzdem: Wir müssen uns vorbereiten, und zwar schnell, etwa im
Bildungs- und Sozialsystem. Nicht schlecht ist beispielsweise die
Idee der ehemaligen SPD-Arbeitsministerin Andrea Nahles, allen
Arbeitnehmern einen mehrjährigen, staatlich finanzierten
Fortbildungsanspruch zu garantieren, den sie im Laufe des
Berufslebens einlösen. Solche Reformen können helfen, die Welle der
Digitalisierung zu reiten.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Original-Content von: Neue Westfälische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell

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