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Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar Wirtschaft in OWL Richtig wachsen Stefan Schelp

August Oetker ist immer für einen flotten Spruch
gut. Das galt schon, als er noch Chef der Oetker-Gruppe war. Da
erfand er von „ganz ordentlich“ bis „gerade noch auskömmlich“ immer
neue Formulierungen dafür, dass der Konzern gutes Geld verdient
hatte. Das gilt auch noch heute, da August Oetker an der Spitze des
mächtigen Oetker-Beirats steht. Und doch dürfte beim
Außenwirtschaftstag der IHK in Bielefeld so manchem der Unterkiefer
heruntergeklappt sein, als der 71-Jährige plötzlich angesichts
schrumpfender Ressourcen philosophierte: „Wir müssen uns fragen, ob
es Alternativen zum Wachstum gibt“, forderte er. Wie jetzt?
Ausgerechnet beim Oetker-Konzern, der sich selbst seit Jahrzehnten
schon kontinuierliches Wachstum verordnet hat? Jenes Unternehmen, das
sich erst kürzlich zum Ziel gesetzt hat, den Umsatz innerhalb von
zehn Jahren zu verdoppeln? Erstaunlich. Dabei ist das Nachdenken über
die Grenzen des Wachstums weder unvernünftig noch neu noch ist es
eine Erfindung von August Oetker. 1972 veröffentlichte der
renommierte Club of Rome seine Studie über die Grenzen des Wachstums.
Wieder und wieder ist die Studie teils hitzig diskutiert und immer
wieder gedruckt worden. 30 Millionen Exemplare stehen in den
Bücherregalen, in mehr als 30 Sprachen ist die Studie übersetzt
worden. Es gibt auch Länder, in denen das Glück der Menschen nicht
vom Wachstum abhängt. Auch dieser Satz stammt von August Oetker. Vor
dem inneren Auge entsteht das Bild des Unternehmenspatriarchen, der
durch die Tempellandschaft von Bhutan wandelt und nachdenkt über das
Bruttonationalglück. Immerhin ist dort das Recht auf Glück – nicht
auf Wachstum – in der Verfassung verankert. Oetker hat in der Region
durchaus Vorbildfunktion. Die Worte des Ex-Chefs dürften auf
fruchtbaren Boden fallen. Schon erhalten Meldungen wie die über
Mieles zweiten Platz im Ranking der Nachhaltigkeitsberichte ein ganz
anderes Gewicht. Und wenn ein bekannter Bauunternehmer aus OWL
verkündet, er sei ein „schwarzer Grüner“, erntet er nicht mehr das
Kopfschütteln der Mitbewerber. Was also ist los mit der
ostwestfälisch-lippischen Unternehmerschaft? Jener Gruppe, die erst
die SPD-Ministerpräsidentin beim Unternehmertag sprechen lässt. Und
die dann beim Außenwirtschaftstag an den Lippen des ehemaligen Grünen
Joschka Fischer hängt. Dass wir längere Zeit keinen CDU-Welterklärer
mehr in OWL gesehen haben, ist sicher nur Zufall. Oder ein Indiz für
einen Richtungswechsel? Oder einfach nur Weltoffenheit made in OWL.

Pressekontakt:
Neue Westfälische
News Desk
Telefon: 0521 555 271
nachrichten@neue-westfaelische.de

Original-Content von: Neue Westf?lische (Bielefeld), übermittelt durch news aktuell

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