Neue Westfälische (Bielefeld): Rauchverbot in Autos, in denen Minderjährige sitzen Kinderschutz ist wichtiger Lothar Schmalen, Düsseldorf

Da werden Kindheitserinnerungen wach: Dichter
Zigarettenqualm bei der Autofahrt in den Urlaub, niemand ist
angeschnallt, egal wie schnell der Familienvater den Pkw in Richtung
holländischer Nordseeküste steuert. Heute wissen wir: So wichtig wie
der Gurt für die Sicherheit der Autofahrer in einem vielfach
verdichteten Autoverkehr ist, so gesundheitsschädlich ist der
Zigarettenqualm im engen Auto besonders für Kinder. Während aber das
Anschnallen längst gesetzliche Pflicht ist und ein Zuwiderhandeln mit
empfindlichen Geldbußen bestraft wird, ist es bislang versäumt
worden, etwas gegen den extrem schädlichen Qualm im Auto zu
unternehmen. Dabei liegen die Fakten klar auf dem Tisch. Die
Passivrauch-Konzentration ist für Minderjährige nirgends so hoch wie
in einem Auto. Die Konzentration krebserregender Stoffe steigt trotz
gegebenenfalls geöffnetem Fenster auf das über 200-fache an. Nach
Messungen des Deutschen Krebsforschungsinstituts liegt die
Schadstoffkonzentration in einem verrauchten Auto fünf Mal so hoch
wie in einer durchschnittlich verrauchten Bar. In deutschen
Gaststätten aber ist das Rauchen längst verboten. Warum dann nicht in
Autos, in denen Kinder sitzen? Es ist nicht erstaunlich, dass sich
für die Initiative von Familienpolitikern, die sich für ein
entsprechendes Rauchverbot in Autos mit Kindern einsetzen, jetzt
endlich eine breite politische Mehrheit findet. Erstaunlich ist eher,
dass eine solche Initiative erst jetzt erfolgreich werden kann. Dabei
kämpfen nicht nur in NRW Familienpolitiker für das kinderschützende
Rauchverbot. In Schleswig-Holstein hat der Landtag schon im Sommer
des vergangenen Jahres parteiübergreifend ein bundesweites
Rauchverbot in Autos, in denen Minderjährige sitzen, gefordert. Dass
es andere europäische Länder gibt, in denen längst ein vergleichbares
Rauchverbot gilt, rundet das Bild, dass Deutschland in diesem Punkt
eher hinterherhinkt, weiter ab. Übrigens ist das Rauchverbot, das
Kinder im Auto schützt – anders als beispielsweise ein Tempolimit,
das alle Autofahrer schützen würde -, nicht einmal unpopulär. Zwei
wissenschaftliche Umfragen gab es zu dem Thema in den vergangenen
Jahren. In einer befürworteten 71 Prozent der Deutschen das
Rauchverbot. Selbst 67 Prozent der Raucher waren dafür. In der
anderen Umfrage waren 87 Prozent der Befragten dafür. Was spricht
also dagegen, den Kinderschutz im Auto wichtiger zu nehmen als die
individuelle Freiheit der Raucher? Nichts!

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