Neue Westfälische (Bielefeld): Weniger Entschädigung bei Zugverspätungen Falsches Signal Matthias Bungeroth

Es ist eine Zeit, in der die Bahn im Gespräch ist wie seit
vielen Jahren nicht. Das umweltfreundliche Verkehrsmittel soll eine
Schlüsselrolle bei der Verkehrswende spielen, also einer Mobilität, die
möglichst klimaschonend möglichst viele Menschen in kurzer Zeit von A nach B
transportieren kann. Der Haken: Die Bahn hat nach wie vor das Image, nicht das
zuverlässigste Verkehrsmittel zu sein. Nur 74,9 Prozent der ICE- und IC-Züge im
Vorjahr fuhren 2018 pünktlich. Unter diesem Siegel verkehren bei der DB auch
solche Züge, die eine Verspätung von 5:59 Minuten haben. Es ist also nach wie
vor dringender Handlungsbedarf in Sachen Verlässlichkeit gegeben. Vor diesem
Hintergrund öffnet ein Vorstoß der Verkehrsminister, die Bahn solle bei
Einflüssen durch höhere Gewalt keine Entschädigung mehr bei Verspätungen und
Zugausfällen leisten müssen, eine falsche Tür. Nur ein Bahnsystem, das als
zuverlässig gilt, wird auch für diejenigen attraktiv, die sich bisher nicht
trauten, das Auto öfter stehenzulassen. Das Argument der Wettbewerbsgleichheit
greift hier zu kurz. Wann, bitte, außer bei einem Sturm wie Kyrill, liegt bei
der Bahn wirklich höhere Gewalt durch Wettereinflüsse vor? Der Vorstoß der
Verkehrsminister gehört in die Mülltonne.

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