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Neues Deutschland: Libanon und Syrien

»Wenn dieser Konflikt weiter geht, dann wird er
nicht innerhalb der Grenzen Syriens bleiben«, warnte der
UN-Friedensgesandte Lakhdar Brahimi, bevor er nach Damaskus flog, um
die Bürgerkriegsparteien zu einer Waffenruhe zumindest während des
bevorstehenden Opferfestes zu drängen. Kaum hatte der Algerier die
eingangs zitierten Worte ausgesprochen, explodierte im Nachbarland
Libanon eine Bombe und riss drei Menschen in den Tod, darunter einen
Geheimdienstgeneral. Der Verdacht, dass dies ein Widerhall des
Kriegsdonners im benachbarten Syrien war, lässt sich schwer von der
Hand weisen. Zu eng sind Geschichte und Geschicke Libanons und
Syriens miteinander verflochten. Eigenartig und bezeichnend zugleich
ist allerdings der zwanghafte Eifer, die Schuld an diesem Attentat –
wie schon an den Granateneinschlägen auf türkischem Gebiet – eiligst
dem syrischen Staatschef Baschar al-Assad zuzuweisen. Nicht einmal
mehr die Frage scheint zulässig, welches Interesse Assad leiten
sollte, Zahl und Zorn seiner Gegner zu vermehren. Und ob ein
Geheimdienstboss in Nahost nicht auch andere Feinde haben könnte.
Brahimi will eine Feuerpause zum Opferfest und wird verbal von aller
Welt unterstützt. Real aber steht er auf verlorenem Posten, auch weil
der Zorn über die zahllosen Opfer stets ungeprüft in die gleiche
Richtung gelenkt wird, was tatsächlich Schuldige womöglich frohlocken
lässt. Der oft beschworene Flächenbrand wird auf diese Weise
jedenfalls nicht verhindert.

Pressekontakt:
Neues Deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

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