Kein Wunder, dass das politische Kabarett so im
Niedergang begriffen ist. Die Gags kommen ja jetzt direkt von der
Regierung. Bis zum Herbst, so hörte man gestern, will die Regierung
Maßnahmen beschließen, um Online-Geodienste wie Google Street View
stärker zu regulieren. Ha, ha … kicher: Frau Minister Aigner
sitzt ganz vorn am großen Datensee, um den Kraken Google an den Haken
zu bekommen. Einfalt, nimm deinen Lauf! Was die
Bundesregierung – und andere Politiker – jetzt vorführen, ist ein
Farce. Sie gaukeln eine Macht vor, die sie nicht haben. Die meisten
von ihnen haben nicht einmal die geringste Vorstellung davon, wie
intensiv und komplex Google insgesamt (und andere) mit eingesammelten
Daten wirtschaftet, wie sie kombiniert und verdichtet werden, bis
profitable Sozialpsychogramme entstehen, die man mit
Cornflakes-Herstellern ebenso teilt wie mit der CIA.
Datenschützer haben beizeiten gewarnt, dass Google aus
internen Analysen mehr herausliest als globales Interesse am
Oktoberfest oder die Vorliebe der Kanzlerin für Blazer mit großen
Knöpfen. Die Warnungen wurden ignoriert. Logisch. Der Staat ist
selbst ein Datenkrake. Er will in fremde Computer kriechen, kreiert
elektronische Gesundheitskarten und biometrische Pässe, befördert
Swift und ELENA … Dagegen ist Googles Straßenablichterei
vergleichsweise harmlos – doch als Ablenkung im Sommerloch sehr
willkommen.
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