Neues Deutschland: zur Verlängerung des Bundeswehr-Mandats in Afghanistan

Was man von Abzugsterminen in Afghanistan zu halten
hat, macht Joe Biden auf seiner Hindukusch-Tour gerade noch einmal
deutlich. Mag sein Präsident auch die beschlossene Aufstockung der
USA-Truppen um 30 000 Soldaten mit dem Rückzugsbeginn Mitte
nächsten Jahres verbunden und die NATO Ende 2014 als Deadline für den
Kriegseinsatz gesetzt haben – wenn nötig, werde man natürlich länger
bleiben, so der Obama-Vize. Auch die Bundeswehrsoldaten haben allen
Grund, jetzt verkündete Zeitpläne vor allem als Wahlkampfposter im
Jahr der vielen Urnengänge zu betrachten. Was haben die forcierte
Aufrüstung und all die Offensiven im Vorjahr aber gebracht? Von
»fragilen Erfolgen« spricht Biden. Selbst das ist beschönigend.
Vertrauliche Karten der UN-Mission in Afghanistan zeigen, dass die
Risikoeinschätzung vor allem für den Norden und den Nordosten des
Landes am Ende dramatischer ausfällt als zu Beginn der »jährlichen
Kampfsaison«. Sogar in einigen zuvor sicheren Gebieten
verschlechterte sich die Situation deutlich. Der verstärkte Einsatz
von USA-Soldaten in der Rebellenhochburg Kandahar etwa hat in der
Provinz bisher vor allem Schäden im Wert von rund 100 Millionen
Dollar angerichtet, Häuser und Felder zerstört – und immer mehr
unbeteiligte Zivilisten zur Flucht gezwungen. Trotzdem wollen
Washington und NATO ihre Strategie der militärischen Eskalation
fortsetzen. Ihr Exposé ist zuerst ein Fahrplan ins Desaster.

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